Ein Schritt raus in die Natur, erweckt mehr als du ahnst

„Geh raus!“, sagt Autor, Coach und Personal Trainer Felix Klemme in seinem Buch und dem zugehörigen Webinar. Und das meint er wörtlich: Raus aus dem Büro, raus aus der Einkaufsstraße, ab dahin, wo es grün und ruhig ist. Denn ohne unser Zutun macht die Natur Dinge mit uns, die gut tun. Und gibt uns die Chance, Anstöße zu entdecken, die uns genau dahin führen, wo wir uns richtig fühlen. 10 Kleine Schritte, zum „rauskommen“ - aus dem Alltags-Marathon im Kopf und aus dem Büro.

 

1. Lieblingsplatz suchen

Ein Ort in der Natur, an dem wir uns frei fühlen und der uns einfach nur lächeln lässt. Wer hier noch kein Bild im Kopf hat, sollte sich schleunigst einen suchen: Der Lieblingsplatz ist Energietankstelle und Ruhezone in einem. „Zehn Minuten an einem solchen Ort tun mehr für dich als eine halbe Stunde durch die Stadt laufen“, sagt Felix Klemme. Es lohnt sich, mal ein paar Stunden zu investieren und in die Natur zu fahren – und dabei vielleicht den Lieblingsplatz zu entdecken, der zur persönlichen Energie-Tankstelle wird.

 

2. Konkret werden und Zeit blocken

Gerade, wenn im Alltag viele Stränge an uns ziehen, hilft gute Organisation. Es hilft dabei, sich einen Zeitraum fest zu blocken und klar einzuplanen, ihn in der Natur zu verbringen – als festen Termin. „Vornehmen ist nicht gleich umsetzen“, sagt Felix Klemme. „Je konkreter du Zeit und Ort bestimmst, desto eher bist du bereit, dir die Zeit für dich zu nehmen.“ Wie viel Zeit genau, ist dabei egal – für den einen reichen zehn Minuten in der Natur, der nächste blockt sich eine Stunde am Morgen.

 

4. Raus aus dem Social Media Strudel

Fotos, Videos, Informationen: „Für unser Gehirn ist der dauernde Konsum so, als würden wir uns zudröhnen“, erklärt Felix Klemme. Wer in der Pause beispielsweise nur durch Social Media scrollt, Bilder sieht, im Kopf Geschichten dazu spinnt, sich mit anderen vergleicht, kommt nie zur Ruhe. Es bleibt kein Raum für Entspannung oder klare Gedanken, selbst in der Pause dreht sich das Hamsterrad weiter.

 

5. Verpassen ist in Ordnung

In seinem Buch beschreibt Felix Klemme die Fear of Missing Out, kurz FOMO. Sie ist mittlerweile ein anerkanntes Krankheitsbild, das sich durch soziale Medien und dauernde Information nährt. Doch: Wir müssen nicht immer alles sofort mitbekommen! Und manchmal hilft es sogar, sich bewusst aus dem Strudel der Informationen zu ziehen, weil es Zeit und Raum für die eigentlich wichtigen Erfahrungen schafft.

 

6. Stille schätzen lernen

Die Geräusche der Stadt, der Verkehr, die Geschäfte, die Gespräche anderer Menschen: Wenn all das wegfällt, ist es plötzlich ganz schön still. Felix Klemme hat selbst die Situation erlebt, beruflich etwas verändern zu müssen. „Im Wald hatte ich einen Moment, in dem ich zur Ruhe kam“, sagt er. Abseits von Büro und Kollegen konnte er die Situation in dieser Stille neu verstehen, Lösungen und Wege finden. „Wir kommen nicht in die Klarheit, wenn wir uns dauernd ablenken“, sagt Felix Klemme.

 

7. Sinne statt Smartphone

Im Zeitalter von Smartphones fühlt es sich komisch an, nicht mit irgendjemandem zu schreiben oder zu sprechen. Ab und zu mal die unnatürliche Verbindung zur Welt zu kappen, die uns das Internet und Telefon ermöglicht, ist jedoch ein befreiendes Gefühl. Denn plötzlich ist da Raum, um all die natürlichen Verbindungen wahrzunehmen – die, die uns über unsere Sinne erreichen. Was wir sehen, wenn wir wirklich hinschauen, was wir riechen, schmecken, hören und fühlen können – diese Verbindungen eröffnen neue Räume, entspannen und bieten uns einen Rahmen, auch die Verbindung zu uns selbst mal wieder genau zu spüren.

 

8. Schluss mit „Und dann?“

Eine Übung, die Felix Klemme empfiehlt, ist sich unter einen Baum zu stellen und in die Krone zu schauen. „Für viele gestresste Menschen ist das der Horror“, sagt er, „die fragen dann immer: Und was kommt jetzt? Oder: Und was bringt mir das dann?“ Einfach mal das Gehirn zu entspannen, nicht dauernd Reize zu suchen, den Blutdruck zu entspannen, das ist schon eine ganze Menge.

 

9. Ein Stück Kontrolle abgeben

Aber was, wenn ich mein Handy zuhause lasse und etwas passiert und ich bin nicht erreichbar? Auf diese Frage sollten wir uns selbst mit einer Gegenfrage antworten: Wie oft ist dieser Fall schon eingetreten und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit? Natürlich wollen wir für andere Dasein, aber es ist völlig in Ordnung, mal für einige Momente nicht erreichbar zu sein. Sich in der Natur fallen zu lassen und zu akzeptieren, dass man gerade nicht alles kontrollieren kann, erfordert für manche Menschen Überwindung. Denn hier können auch Gedanken Bahn brechen, die wir im Alltag eifrig übertönen und unter Kontrolle halten. „Die Natur macht etwas mit uns, ohne, dass wir etwas dafür tun müssen“, sagt Felix Klemme.

 

10. Fragen und Antworten zulassen

 In der Ruhe und Umgebung der Natur kommen viele Fragen ganz von selbst. Am Anfang ist es vielleicht noch „Wann muss ich morgen nochmal beim Termin sein?“, doch je länger wir in der Stille, bei und mit uns selbst sind, desto mehr verändern sich die Fragen. „Bin ich glücklich?“, „Bin ich da, wo ich sein will?“ Manchmal wollen wir die Fragen nicht zulassen, weil wir wissen, dass uns die Antworten nicht gefallen. Doch sie sind eine Chance, das Leben in Richtung Erfüllung und Glücklichsein zu lenken – und die Entschlossenheit zu finden, Dinge zu verändern. „Routinen sind wichtig“, sagt Felix Klemme, „doch mit manchen Verhaltensmustern schaden wir uns selbst.“ Die eigenen Glaubenssätze, die wir seit der Kindheit programmiert haben – Annahmen über uns und die Welt, die wir wie selbstverständlich in uns tragen, liegen tief in unserem Unterbewusstsein. Bei manchen kann es Sinn machen, sie als Erwachsener erneut anzuschauen und zu hinterfragen. Doch dazu muss man sie erstmal rausfinden – und ins eigene Unterbewusstsein abtauchen.

Profilbild für Felix Klemme

Felix Klemme

Life-Coach & Diplom-Sportwissenschaftler

Felix Klemme, geboren 1980, ist Diplom-Sportwissenschaftler und Personal Coach. Nach seinem Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln gründete er im Jahr 2010 das Unternehmen „Outdoor Gym“ in Bonn. Seit 2013 ist Felix Klemme auch als TV-Coach, unter anderem für die RTL II-Dokuserie „Extrem Schwer“ im Fernsehen zu sehen. Im Jahr 2015 hat Felix Klemme den NEOS AWARD als „Personal Trainer“ des Jahres gewonnen. Als Buchautor hat Felix Klemme insgesamt vier Bücher verfasst, zu den Themen „Natürlich Essen“, „Natürlich Fit“ und „Natürlich sein“. In seinem neusten Buch „Bin Raus“ (Droemer, 2018) beschreibt er die Kraft der Natur, die sich nicht nur auf die körperliche Fitness, sondern auf das gesamte Lebensgefühl auswirkt.