Jeder kennt die Situation: Ein blöder Kommentar einer Kollegin oder von völlig fremden Menschen auf der Straße trifft uns tief und verletzt uns nachhaltig. Doch oft sind solche Kränkungen gar nicht persönlich gemeint oder wurden nur ausgesprochen, weil die andere Person mit sich selbst gerade unzufrieden ist. Kränkungen solltest Du also gar nicht zu nah an Dich ranlassen. Wie das geht, zeigen Dir unsere 10 Tipps.


1. Hinterfrage die Kränkung

Manchmal empfinden wir Dinge als Kränkung, die eigentlich gar nicht böse gemeint sind. Beispielsweise die ehrliche Meinung einer Freundin, die anders ausfällt, als wir uns erhofft hatten. Ein Kommentar, der eigentlich lustig gemeint ist, der jedoch nicht unserem Humor entspricht. Oder eine berechtigte Kritik, die bei Dir falsch ankommt. Vielleicht warst Du auch gar nicht persönlich gemeint, sondern hast eine Äußerung falsch interpretiert, ohne den Zusammenhang zu kennen. Bevor Du solche vermeintlichen Kränkungen an Dich heranlässt, solltest Du also hinterfragen, ob Du Dich zurecht als Opfer fühlst oder ob Du vielleicht einfach etwas zu empfindlich reagierst.


2. Schlafe eine Nacht darüber

Mit etwas Abstand betrachtet sind viele Situationen anders als im ersten hitzigen Moment, in dem Emotionen die klaren Gedanken übertrumpfen. Nach einem Zwischenfall, durch den Du Dich gekränkt fühlst, solltest Du eine Nacht darüber schlafen und die Dinge mit ein bisschen mehr Distanz betrachten. Überlege: War es wirklich so schlimm, dass Du Dich beleidigt in Dein Schneckenhaus zurückziehen musstest? Oder sind bei Dir vielleicht alte Emotionen hochgekocht, die gar nichts mit der aktuellen Situation zu tun haben? Fühlst Du Dich am nächsten Tag noch genauso verletzt oder ungerecht behandelt, dann sprich die Situation noch einmal an und suche ein klärendes Gespräch.


3. Nimm nicht alles persönlich

Es gibt Menschen, die sprechen einfach alles frei heraus, ohne vorher darüber nachzudenken, ob das Gesagte jemanden verletzen könnte. Viele Menschen können auch Kritik nicht so geschickt äußern, dass sie eindeutig als konstruktiv erkannt wird. Wer dann empfindlich ist, nimmt kritische Kommentare schnell als Tadel wahr, obwohl sie rein sachlich gemeint waren. Deshalb solltest Du nicht alles persönlich nehmen.
 

4. Äußere Deine Gefühle

Statt eine Kränkung einfach in Dich hineinzufressen und Dich beleidigt zurück zu ziehen, solltest Du Deine Gefühle offen aussprechen. Sag der anderen Person, dass Dich die Äußerung gerade verletzt hat. Damit spielst Du den Ball direkt zurück und ihr könnt die Situation sofort klären. Meist ist der anderen Person gar nicht bewusst, wie kränkend die Bemerkung war, und sie wird sich entschuldigen. Vielleicht war auch alles ein Missverständnis, das ihr bereinigen könnt. Im schlimmsten Fall war die Kränkung ernstgemeint, dann hast Du Dir den Ärger wenigstens von der Seele geredet, statt ihn in Dir brodeln zu lassen.
 

5. Versetze Dich in die andere Person hinein

Wechsle doch mal die Perspektive und versetze Dich in die Person hinein, die gerade eine ungerechtfertigte Beleidigung ausgesprochen hat. Zufriedene Menschen haben gar keinen Grund, sich abfällig über andere zu äußern oder sich unfair zu verhalten. Sowas machen nur unzufriedene Menschen, die mit sich selbst ein Problem haben. Vielleicht hat die andere Person einen schlechten Tag, vielleicht ein unglückliches Leben, vielleicht gibt sie Druck von oben nach unten weiter, weil sie damit selbst nicht umgehen kann. Dann lass diese Negativität nicht auf Dich überspringen.
 

6. Stärke Dein Selbstwertgefühl

Kommt es in einer Partnerschaft zum Streit, fallen manchmal Worte, die den anderen direkt am wunden Punkt treffen. Denn je besser man die Schwächen des anderen kennt, umso gezielter können verletzende Äußerungen als Waffe eingesetzt werden. Hier hilft jedoch ein starkes Selbstwertgefühl als Schutzschild. Je selbstbewusster Du durchs Leben gehst, umso weniger können Dich solche verbalen Attacken treffen. Das gilt natürlich für sämtliche Lebenslagen. Bist Du mit Dir im Reinen, kannst Du Kränkungen leichter an Dir abprallen lassen.


7. Lerne zu verzeihen

Wer verzeihen kann, beweist innere Stärke. Jeder hat mal einen schlechten Tag oder sagt vor Wut oder Enttäuschung etwas, das ihm anschließend leidtut. Deshalb solltest Du nahestehenden Personen kleine Ausrutscher verzeihen, statt lange nachtragend zu sein. Einen Konflikt mit einem engen Freund, einem lieben Kollegen oder dem Partner kannst Du offen ansprechen und aus der Welt schaffen.


8. Hinterfrage Deine Kontakte

Fühlst Du Dich von jemandem im Freundeskreis oder in der Partnerschaft immer wieder angegriffen und gekränkt? Dann ist vielleicht der Moment gekommen, den Kontakt abzubrechen. Denn Freunde und Partner sollen Dir ein gutes Gefühl geben und Dir den Rücken stärken. Wenn es stattdessen immer wieder zu Demütigungen und seelischen Verletzungen kommt, brauchst Du Dir die Kränkungen nicht länger gefallen zu lassen. Dann ziehe lieber einen Schlussstrich.


9. Finde Deine innere Mitte

Entspannungsübungen helfen Dir dabei, mit Kränkungen besser umzugehen. Atemübungen, Yoga, Meditation oder ähnliche Techniken bringen Dich zur Ruhe, verbessern Deinen Umgang mit Stress, machen Dich gelassener und stärken Dein Selbstbewusstsein. Durch Achtsamkeit lernst Du Deine Gefühle besser zu deuten und Wichtiges von Unwichtigem zu selektieren. Dadurch kannst Du auch Kränkungen leichter wegstecken und Konfliktsituationen mit mehr Gelassenheit begegnen.


10. Lass Dir helfen

Wenn Dich ein Ereignis so sehr kränkt, dass sich schließlich Dein gesamtes Denken, Fühlen und Tun darum dreht, solltest Du aktiv werden und Hilfe suchen. Denn Verbitterung ist ein schlimmer Zustand, der Dir das Leben sehr schwer macht. Ein geschulter Therapeut kann Dir weiterhelfen.

 

Warum sind manche Menschen besonders leicht kränkbar?

Vor allem Menschen mit einem hohen Anspruch an sich selbst sowie sehr selbstkritische Menschen sind besonders leicht zu kränken. Wenn wir ein Erlebnis mit anderen Menschen als Kränkung wahrnehmen, entspricht dies immer der Sicht, die wir auf uns selbst haben.

Unser Weltbild wird also bestätigt: Klar geht diese Person schlecht mit mir um – schließlich bin ich es nicht wert, dass man mich gut behandelt. An Menschen mit einem starken Selbstwertgefühl perlen viele vermeintliche Kränkungen einfach ab.

Eine ungewöhnlich heftige Reaktion kann aber auch ausgelöst werden, wenn wir eine bestimmte Eigenart von uns selbst nicht gerne wahrhaben wollen und nicht mögen, aber durch das Feedback anderer darauf aufmerksam gemacht werden. Dieser Zusammenhang ist uns meistens nicht bewusst.