Gut ist Dir nicht gut genug – Du lässt nicht locker, bis alles perfekt ist. Das kann mit der Zeit ganz schön anstrengend sein und Dich viel Kraft und Nerven kosten. Doch niemand ist hundertprozentig perfekt! Wenn Du Deine Erwartungen an Dich und Dein Umfeld herunterschraubst, kannst Du viel gelassener durchs Leben gehen. Hier geben wir Dir ein paar Tipps, wie Du Deinen Perfektionismus überwinden kannst.
 

Warum wollen wir unbedingt perfekt sein?

Von allen Seiten bekommen wir eine heile, perfekte Welt vorgegaukelt – im Fernsehen, in der Werbung, in den Sozialen Medien, in der Familie, im Bekanntenkreis. Solche idealisierten Vorbilder fördern den Perfektionismus, denn wir wollen genauso schön, erfolgreich und glücklich sein wie sie.

Oft haben wir den Perfektionismus schon im Kindesalter von den Eltern mitbekommen. Die Erziehung überträgt sich häufig auf den eigenen Lebensstil und die Erwartungshaltung. Haben die Eltern nach außen hin eine perfekte Ehe und einen makellosen Haushalt geführt, wollen wir das auch. Durch hohe Leistung konnten wir uns Anerkennung und Lob verdienen. Aber auch die Angst vor Kritik treibt viele dazu an, perfekt sein zu wollen.

Hohe Ansprüche bestimmen deshalb das Leben von Perfektionisten. In der Partnerschaft, in der Kindererziehung, in der Arbeit – alles muss stimmen und den Ansprüchen gerecht werden. Um das zu erreichen, versuchen Perfektionisten die Kontrolle über sämtliche Lebensbereiche zu haben. Und das ist natürlich vollkommen unmöglich.

Warum sind Perfektionisten oft unglücklich?

Die meisten Perfektionisten sehen nichts Schlimmes daran, immer und überall ihr Bestes zu geben und das Gleiche auch von anderen zu verlangen. Doch ständig dem Ideal nachzustreben, kann sehr viel Energie rauben. Denn im Prinzip gibt es das Ziel „100% perfekt“ gar nicht. Es ist unerreichbar, und dennoch geben Perfektionisten nicht vorher auf. Sogar wenn sie volle Leistung bringen und die hochgesteckten Ziele erreichen, sind sie nie wirklich zufrieden und oft sogar zerfressen vor Ehrgeiz, noch perfekter als perfekt sein zu wollen. Langfristig glücklich macht das nicht – ganz im Gegenteil.

Das Problem dabei: Mit Deinem Perfektionismus setzt Du Dich selbst und Dein Umfeld mächtig unter Druck. Zufriedenheit und Gelassenheit kommen als Ausgleich meist zu kurz. Bei allem Streben und allem Erfolg sind Perfektionisten oft unglücklich mit sich und ihrem Leben. Dabei ließe sich das ganz leicht ändern.
 

8 Wege aus der Perfektionismus-Falle

Perfektionismus hat wenig mit der Realität gemein. Denn im realen Leben machen Menschen Fehler, führen nicht den Hochglanz-Vorzeige-Lifestyle, den uns Werbung und Medien vormachen. Alle Menschen durchleben Tiefen und dürfen auch mal scheitern. Das alles ist absolut normal, und das solltest Du Dir immer wieder vor Augen halten. Um Deinen Perfektionismus langsam abzulegen, kannst Du diese Tipps und Coaching-Methoden ausprobieren:
 

1. Ansprüche senken

Du stellst an Dich sehr hohe Ansprüche und erwartest deshalb auch von anderen, dass sie Deinem Perfektionismus entsprechen. Damit setzt Du Dich und Deine Mitmenschen unnötig unter Stress. Dabei ließen sich viele Dinge ganz wunderbar fast von alleine regeln, wenn Du Deine Ansprüche von extrem hoch auf normal senken würdest.

Dein Kind hat in der Schule keine Glanzleistung vollbracht? Kein Problem, Hauptsache es rückt in die nächste Klasse auf! Dein Partner hat schon wieder die Schuhe nicht ordentlich auf die Ablage gestellt? Egal, dafür kannst Du Dich in den wirklich wichtigen Sachen auf ihn verlassen! Denn unterm Strich ist es wichtig, DASS gewisse Dinge funktionieren – und nicht WIE GUT.


2. Gelassener werden

Ob Du es glaubst oder nicht – die Erde dreht sich auch weiter, wenn Du nicht alles perfekt machst. Deine Kinder kommen auch ohne Deine Kontrolle zurecht, Dein Partner wird ganz von selber irgendwann den Müll rausbringen und in der Arbeit bricht auch kein Chaos aus, wenn Du die Dinge gelassener angehst. Wenn Du vom Perfektionismus getrieben immer auf Hochtouren läufst, brauchst Du auch Zeit, um wieder runterzukommen. Entspann Dich. Lass den Dingen ihren Lauf. Meditiere. Übe Achtsamkeit.

Es gibt viele Möglichkeiten Gelassenheit zu lernen und ein glücklicheres Leben zu führen. Die Dinge mit Humor zu nehmen und in kleinen, peinlichen Fehlern des Alltags eine gewisse Komik zu entdecken, kann eine Strategie sein, um mehr Gelassenheit zu entwickeln. Über sich selbst lachen zu können, ist ein erster Schritt sich nicht mehr so wichtig zu nehmen und die Ansprüche an sich selbst etwas herunterzuschrauben. Perfektionismus führt oft zu absurden Verhaltensweisen. Sicherlich fallen auch Dir Momente ein, in denen Du völlig übertrieben hast. Realisiere wie grotesk die ein oder andere Situation auf Deine Mitmenschen gewirkt haben muss und versuche darüber zu Schmunzeln.


3. Selbstliebe lernen

Vielleicht hast Du tief in Dir das Gefühl, anderen Menschen nicht zu genügen. Doch auch Du bist ein Mensch mit Schwächen, die völlig in Ordnung sind. Niemand ist perfekt – auch Du nicht. Deshalb lerne Dich selbst zu lieben, wie Du bist. Mit all Deinen Fehlern, die Du hinter Deinem Perfektionismus zu verstecken versuchst. Selbstsicherheit durch Selbstliebe kann der Schlüssel zu einem glücklicheren Leben sein, in dem Du Dich akzeptierst, wie Du bist.

Häufig ist die mangelnde Selbstliebe und die Unzufriedenheit von Perfektionisten auf ein überzogenes Leistungsdenken zurückzuführen. Es ist grundsätzlich positiv, wenn Du Deine Aufgaben gewissenhaft erledigst und eine Sache gut machen willst. Wenn es aber nicht mehr um die Sache geht, sondern nur um Dich, und dass Du von anderen die größtmögliche Anerkennung dafür bekommen willst, bist Du wahrscheinlich dem Perfektionismus in die Falle gegangen. Selbstliebe zu lernen ist eine Möglichkeit da wieder herauszukommen. Denn dann wirst Du Dein Selbstwertgefühl nicht mehr so stark von der Meinung anderer und von Deiner Leistung abhängig machen. Du musst Dich von dem Gedanken trennen, dass man nur so viel wert ist, wie man leistet. Denn das stimmt einfach nicht! Jeder Mensch ist an sich wertvoll. Und andere sollten uns mögen und mit uns befreundet sein, weil sie unseren Charakter und unsere Persönlichkeit schätzen.


4. Reise in die Vergangenheit

Da perfektionistisches Verhalten oft schon in der Kindheit ausgeprägt wurde, lohnt sich eine Reise in die Vergangenheit. Denn wenn Du das Kind in Dir erkennst, wirst Du Deine Motivation und die Wurzeln Deines perfektionistischen Verhaltens besser verstehen. Die Psychologin Stefanie Stahl unterstützt Dich in ihren Kursen dabei, das Kind in Dir zu analysieren und Dich als Erwachsener von Deinen alten Verhaltensmustern zu lösen. Ihre Methoden helfen Dir dabei, wiederkehrende Konflikte aufzubrechen und ein leichteres Leben zu führen. Weitere praktische Übungen, um alte Wunden zu heilen und hartnäckige Traumata zu bewältigen, zeigt Dami Charf.


5. Negative Gedankenmuster durchbrechen

Oft sind es die eigenen Gedanken und Ansichten, die Deinem persönlichen Glück im Wege stehen. Doch diese lassen sich umkehren. Eine bekannte Methode, die Dir dabei hilft Klarheit zu finden, heißt THE WORK. Mit ihr lernst Du, wie Du negative Gedankenmuster durchbrichst und neue Lösungen findest. Danach wirst Du viele Dinge durchschauen und die Ursachen für Deinen Perfektionismus besser erkennen. 


6. Energie sinnvoller nutzen

Dein Perfektionismus kostet viel Energie. Das merkst Du bestimmt immer wieder, wenn Du Dich abends ganz ausgelaugt und erschöpft fühlst, weil Du den ganzen Tag Deine überhöhten Erwartungen erfüllen wolltest und Deinen Mitmenschen immer wieder auf die Finger schauen musstest, damit auch ja alles perfekt erledigt wird. Diese Energie kannst Du jedoch viel effizienter nutzen.

Wähle gewisse Bereiche Deines Lebens aus, in denen Du Deinen Ansprüchen tatsächlich gerecht werden kannst. Hierfür setzt Du Deine Energie zielgerichtet ein, bis das Ergebnis erreicht ist. Das ist meist schon bei 80 Prozent so. Die 20 Prozent extra an zusätzlichem Fleiß, die Deinem Perfektionismus geschuldet sind und Dir unnötig Energie rauben, sparst Du ab jetzt ein. Erledige Dinge nur noch so gut wie nötig. Lerne zu akzeptieren: Gut ist gut genug! Andere Bereiche, auf die Du ohnehin keinen Einfluss nehmen kannst, lässt Du ab jetzt ganz von Deinem Kontrollradar verschwinden.

 

7. Kontrolle abgeben

Perfektionisten geben Dinge nur ungern aus der Hand. Sie wollen den Erfolg allein einheimsen, der mit einer Aufgabe verbunden ist, um vor den anderen Glänzen zu können. Zudem sind sie davon überzeugt, dass andere nicht in der Lage sind, die Dinge genauso gut zu machen wie sie selbst. Wenn sie schon andere ranlassen, dann häufig nur unter akribischer Kontrolle ihrerseits.

Erkennst Du solche Verhaltensmuster auch bei Dir? Dann fange an nach und nach Aufgaben abzugeben. Versuche dabei Deinen Arbeitskollegen, Deinem Partner und Deinen Kindern nicht ständig im Nacken zu stehen und gib Ihnen Freiräume. Danach ist es wichtig auch die Art und Weise zu akzeptieren, wie die anderen die Dinge erledigt haben – auch wenn Du es selber etwas anders gemacht hättest. Gelingt es Dir dann noch ein aufrichtiges Lob auszusprechen, so wirst Du von Deinem hohen Ross herunterkommen und Deine Beziehungen stärken können.

 

8. Erfolge genießen

Perfektionisten neigen dazu, ihre erreichten Ziele nicht zu genießen. Sie sehen es als ihre Pflicht an, perfekte Leistung zu bringen. Erfreuen können sie sich daran jedoch selten und wenn überhaupt, dann nur kurze Zeit. Deshalb lerne, bewusst zu erleben und zu genießen, wenn Du eins Deiner Ziele erreicht hast. Nimm das Gefühl wahr, zelebriere den Moment, klopf Dir selbst auf die Schulter und führe Dir vor Augen, welches Glück Du hast, diesen Erfolg feiern zu dürfen.

Nobody is perfect – und damit wirst auch Du Dich schon bald abfinden können. Wenn Du lernst, Deine Fehler zu akzeptieren und Dich selbst zu lieben, wirst Du bald gelassener auf Dein Leben blicken und die bereits erreichten Erfolge mehr zu schätzen wissen. Das wunderbare Gefühl der Zufriedenheit ist den Weg wert.