Wut, Trauer oder Enttäuschung werden oft unterdrückt, um den Schein zu wahren oder der gesellschaftlichen Norm zu entsprechen. Unterdrückte Gefühle können Dich jedoch von innen heraus auffressen und Dich krank machen. Warum und was Du dagegen tun kannst, erfährst Du hier.


Welche Gefühle machen krank?

Während wir positive Gefühle wie Freude oder Stolz gerne nach außen hin zeigen, lassen wir uns negative Gefühle nur ungerne anmerken. Die Fassade muss aufrechterhalten werden, und andere Menschen sollen denken, dass wir ein glückliches Leben führen und alles in bester Ordnung ist. Das Unterdrücken der Gefühle staut jedoch Frust an. Je länger wir diesen Frust mit uns herumtragen und in uns hineinfressen, umso mehr leidet unsere Seele darunter. Aufgestaute negative Gefühle können seelisch und körperlich krank machen. Solche „Krankmacher“ sind:

  • Angst
  • Neid
  • Eifersucht
  • Liebeskummer
  • Sorge
  • Wut
  • Enttäuschung
  • Trauer
  • Aggression
  • Hass

Negative Gefühle lösen in uns Stress aus. Dadurch gerät der Hormonhaushalt durcheinander. Die übermäßige Produktion des Stresshormons Cortisol beispielsweise wirkt sich auf den Blutdruck und die Schlafqualität aus. Ist der Körper durch die Unterdrückung der Gefühle dauerhaft in einer Stresssituation, wird das Immunsystem geschwächt und Krankheiten können entstehen.
 

Was passiert, wenn man Gefühle unterdrückt?

Körper und Seele bilden eine Einheit, die auch bei emotionalen Schwankungen immer wieder zurück ins Gleichgewicht findet. Denn Gefühle, positive wie negative, gehören zum Leben dazu. Jeder Mensch darf manchmal traurig sein, wütend oder enttäuscht.

Unterdrückst Du die Gefühle jedoch bewusst, entsteht in Dir eine Blockade, die das emotionale Gleichgewicht ins Schwanken bringt. Durch diese Blockade stauen sich immer mehr Gefühle an, die Dich von innen auffressen, Dich unglücklich und unzufrieden machen.

Sie rauben Dir viel Kraft und Energie, was sich durch physische und psychische Beschwerden bemerkbar macht. Deine Lebensenergie gerät ins Stocken und Du fühlst Dich leer und antriebslos. Hält dieser Zustand länger an, können Krankheiten entstehen.

Eine weitere Folge von unterdrückten Gefühlen kann der übermäßige Konsum von Alkohol sein. Wieder andere suchen Trost im Essen. Suchtverhalten liegt häufig in unterdrückten Gefühlen begründet.
 

Wie äußern sich unterdrückte Gefühle?

Das Unterdrücken von Gefühlen kann sich sowohl durch körperliche als auch psychische Beschwerden äußern, die oft sehr diffus sind und sich anfangs gar nicht auf das emotionale Ungleichgewicht zurückführen lassen. Wer folgende Symptome oder Erkrankungen an sich bemerkt, ohne die Ursache dafür zu kennen, leidet vielleicht bereits an den Folgen unterdrückter Gefühle:

  • Müdigkeit
  • Erschöpfung
  • Antriebslosigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Schwindel
  • Nervosität
  • Konzentrationsprobleme
  • Kopfschmerzen
  • Schlafprobleme
  • Herzrasen
  • erhöhter Blutdruck
  • Schweißausbrüche
  • Magenschmerzen
  • Verdauungsprobleme

Oft sind unterdrückte Gefühl die Ursache von Depressionen oder einem Burn-out. Die dauerhafte Antriebslosigkeit kann in die Isolation führen. Manchmal kommt es auch zu einer übermäßigen Aggressivität den Mitmenschen gegenüber.
 

Warum verdrängen Menschen Gefühle?

Oft verdrängen Menschen ihre Gefühle, weil sie es in der Erziehung so gelernt haben: Gefühle zeigen bedeutet Schwäche. Wütend sein gehört sich nicht. Der Schein muss gewahrt werden. Mit solchen Glaubenssätzen werden viele schon als Kind konfrontiert.

Jungs dürfen nicht weinen, Mädchen dürfen nicht wütend sein, niemand darf sehen, dass es Dir seelisch nicht gutgeht. Diese gesellschaftlichen Vorgaben sind tief in uns verankert und sind oft der Grund, warum wir uns mit dem Unterdrücken von Gefühlen selbst Schaden zufügen.

Außerdem neigen wir dazu, Negatives lieber von uns zu schieben. Ignorieren wir negative Gefühle, verschwinden sie von alleine – denken wir. Doch sie brodeln weiter in uns und bauen immer mehr Druck auf.

Manchmal passiert es auch ganz unbewusst, dass unangenehme Gefühle verdrängt werden, beispielsweise nach einem traumatischen Erlebnis. Das Unterdrücken der Gefühle ist dann ein Schutzmechanismus, um das seelische Überleben zu sichern. Die verdrängten Gefühle können sich durch Angstzustände oder chronische Beschwerden wieder an die Oberfläche drängen, wenn Traumata nicht ausreichend verarbeitet werden.

 

Wie kann ich meine Gefühle rauslassen?

Jeder Mensch verarbeitet Gefühle unterschiedlich. Die einen reden gerne über ihren Seelenzustand und erfahren dadurch Linderung, die anderen reagieren sich lieber körperlich beim Sport ab. Finde für Dich das Ventil, mit dem Du Deinen Frust rauslassen und loslassen kannst. Wichtig ist vor allem: Lasse Deine Gefühle bewusst zu, ohne sie zu bewerten.

So kannst Du Deine Gefühle herauslassen:

  1. Weine, wenn Dir danach ist.
  2. Sprich mit Freunden über Deine Gefühle.
  3. Gehe raus in die Natur und mache einen langen Spaziergang.
  4. Schreibe Dir Deine Gefühle von der Seele.
  5. Powere Dich beim Sport aus.
  6. Lass Deine Aggressionen beim Box-Training raus.
  7. Schreie Dir die angestaute Wut von der Seele.
  8. Wenn Du Dich niemandem aus dem Bekanntenkreis anvertrauen möchtest, sprich mit einem Therapeuten oder schließe Dich einer Selbsthilfegruppe an.
  9. Akzeptiere Deine Gefühle und überlege, was sie über Dich aussagen und was Du daraus lernen kannst.
  10. Verarbeite Deine aufgestauten Emotionen durch Entspannung beim Meditieren oder Yoga.

Die Gefühle rauszulassen bedeutet aber nicht, die Beherrschung zu verlieren. Damit ist nicht gemeint, andere Menschen anzuschreien oder gar körperlich anzugehen. Gerade bei Wut, Frust und Aggression hilft es, einmal tief durchzuatmen und die Situation mit etwas Abstand neu zu bewerten.

Behalte die Kontrolle über Deine Gefühle, aber verarbeite sie bewusst – mit einer für Dich geeigneten Methode oder mit der Hilfe eines erfahrenen Therapeuten.