Bei einem Konflikt kommt es darauf an, die eigenen Bedürfnisse zu äußern, die Bedürfnisse des anderen zu respektieren und am Schluss eine verbindende Lösung zu finden. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht oft anders aus: Alte Muster, Emotionen und Machtkämpfe hindern uns daran, ruhig zu bleiben und einen Konflikt gut zu lösen. Wie Konflikte trotzdem fruchtbar werden können, erfährst Du in diesem Beitrag.

 

Was ist ein Konflikt?

Konflikte begegnen uns ein Leben lang: Als Kinder tragen wir Konflikte mit unseren Eltern aus, mit anderen Kindern im Kindergarten und in der Schule und natürlich auch mit Lehrern. Als Erwachsene müssen wir uns im Berufsleben durchsetzen und so manchen Konflikt mit den Kollegen oder den Vorgesetzten lösen. Und natürlich birgt auch eine Partnerschaft ein hohes Konfliktpotenzial. Gleichsam können gemeinsam gelöste Konflikte eine Beziehung stärken. Doch was genau ist eigentlich ein Konflikt?

Das Wort „Konflikt“ kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „zusammentreffen“ oder „kämpfen“. Während früher Konflikte zumeist im kriegerischen Kampf gelöst wurden, sind inzwischen friedvollere Zeiten angebrochen. Worte sind heutzutage die Waffen, die zur Lösung von Konflikten eingesetzt werden. Die sollten jedoch nicht verletzen und dem anderen den verbalen Todesstoß verpassen, sondern wohl gewählt und argumentierend sein.

Damit sich so ein punktueller Streit nicht zu einem langwierigen Konflikt mit verhärteten Fronten entwickelt, lohnt es sich, ein paar hilfreiche Ratschläge umzusetzen. Dann kann aus einer Auseinandersetzung sogar ein fruchtbares Miteinander entstehen, das uns im Leben weiterbringt.

 

Konflikte auf Augenhöhe austragen

Oft geht es in Konflikten darum, seine Sichtweise zu behaupten und einen Sieg über den anderen zu feiern. Doch Machtspielchen tragen nicht dazu bei, die Situation zu verbessern – weder in einer Beziehung, noch im Beruf.
Diese Sichtweise hat sich in den letzten Jahrzehnten glücklicherweise geändert. Ging es früher stärker um die Durchsetzung des eigenen Willens, wobei die Hierarchie zwischen den beiden Konfliktparteien eine entscheidende Rolle spielte, werden heutzutage Konflikte vermehrt auf Augenhöhe gelöst. Eine Einigung, die für beide Parteien akzeptabel ist, steht am Ende eines konstruktiv ausgetragenen Konflikts. Nur dann kann etwas Kreatives entstehen, das gemeinsam und mit beidseitiger Zustimmung umgesetzt wird.

Wie wir Konflikte lösen können

Ein Konflikt kann durchaus etwas Positives sein, wenn daraus ein Kompromiss entsteht, der die Beziehung, die berufliche Zusammenarbeit oder die Familiensituation voranbringt. Diese Tipps helfen Dir dabei, einen Konflikt sachlich zu lösen und eine Eskalation zu verhindern:


Sich dem Konflikt stellen

Es gibt viele Menschen, die einem Konflikt am liebsten aus dem Weg gehen. Doch Konflikt heißt nicht gleich Streit oder gar Kampf. Schon die Frage nach der Wochenendplanung kann ein Konflikt sein, wenn nicht beide dieselbe Unternehmung machen wollen. Ein Konflikt ist grundsätzlich das Zusammentreffen verschiedener Interessen. Deshalb ist der erste Schritt zur erfolgreichen Lösung eines Konflikts, ihn als solchen anzuerkennen und nicht zu ignorieren. Denn wer jeder Konfliktsituation aus dem Weg geht, riskiert, dass sich Unzufriedenheit und Wut aufstauen und sich eines Tages in einem richtigen Streit entladen.
 

Andere Meinungen respektieren

Du hast Deine Meinung, Dein Gegenüber hat eine andere Meinung – und beide wollt ihr euch keinen Schritt aufeinander zu bewegen. Was zwischen euch bleibt, ist eine Lücke, die zunehmend größer wird. Doch durch Sturheit und Intoleranz gegenüber anderen Meinungen hat noch niemand einen Konflikt gelöst. Was es dazu braucht, ist die Bereitschaft, einen Kompromiss einzugehen und den Standpunkt des anderen zu akzeptieren und zu respektieren – auch wenn Du ihn selbst nicht teilst. Es gibt Situationen, in denen die Argumente des einen genauso überzeugend sind wie die des anderen.

 

Für neue Argumente offen sein

Es ist aber des Weiteren wichtig, auch wirklich offen für die Argumente des anderen zu sein. Man muss auch die Bereitschaft mitbringen, die eigene Meinung durch Einsicht zu ändern: Nobody is perfect. Manchmal hat man selbst das Problem gar nicht vollständig aus allen Perspektiven erfasst und der andere hat wirklich bessere und überzeugendere Argumente. Dies zu erkennen, dann die eigene Meinung zu ändern und dies dem anderen einzugestehen, zeugt von wahrer Größe. Wer stattdessen stur auf den eigenen, schwachen Argumenten uneinsichtig beharrt, wirkt eher kleingeistig.

 

Emotionen erkennen und kontrollieren

Belastende Gefühle aus der Vergangenheit wie Angst, Wut, Trauer und Schmerz können uns daran hindern, in Konfliktsituationen rational zu denken und zu handeln. Schnell kommt es dann zur Überreaktion, alte Emotionen kochen hoch und sorgen dafür, dass die Situation unnötig eskaliert. Doch solchen versteckten Gefühlen und erlernten Verhaltensmustern kannst Du auf den Grund gehen. Die Trainerin für emotionale Kompetenz Vivian Dittmar hat dazu gute Methoden entwickelt, die sie in ihrem Online-Kurs „Der emotionale Rucksack“ anschaulich näherbringt. Schritt für Schritt erkennst Du dabei, welche Emotionen Du als Ballast seit Jahren und Jahrzehnten mit Dir herumschleppst und wie Du sie entladen kannst, ohne in der nächsten Konfliktsituation gleich zu explodieren.
 

Sachlich bleiben

Um einen Konflikt zu lösen, solltest Du versuchen, sachlich zu bleiben und nicht persönlich zu werden. Weder bei Kollegen noch beim Partner bringen Dich Beleidigungen oder abfällige Bemerkungen ans Ziel. Denn ein Konflikt kann nur konstruktiv gelöst werden, wenn beide respektvoll miteinander reden. Schildere deshalb die Situation aus Deiner Sicht, wie Du sie empfindest, statt Deinem Gegenüber Vorwürfe in Form von Du-Botschaften zu machen oder ihm gar ganz die Schuld zuzuschieben. Eine sachliche Argumentation beginnst Du deshalb mit Formulierungen wie „Aus meiner Sicht …“ oder „Ich empfinde es so, dass …“. Genauso solltest Du anschließend der anderen Partei die Chance geben, die Lage aus ihrer Sicht zu beschreiben. Oft löst sich ein Konflikt sogar allein durch das Aussprechen der einzelnen Sichtweisen in Luft auf, wenn beispielsweise nur ein Missverständnis vorliegt.


Die Situation reflektieren

Bevor Du Dich emotional in den Konflikt hineinsteigerst, solltest Du versuchen, die Situation zu reflektieren. Stell Dir folgende Fragen:

Worum geht es bei diesem Konflikt?
Was ist der Auslöser?
Was soll dadurch erreicht werden?

Versuche die Situation objektiv zu betrachten und überlege, was ein Außenstehender wohl dazu sagen würde. Um mehr Klarheit zu schaffen, kannst Du auch tatsächlich einen Dritten um seine Sicht auf die Konfliktsituation bitten. In jedem Fall kann es hilfreich sein, eine hitzige Diskussion mit einer Denkpause zu unterbrechen. Mit Abstand betrachtet kommen negative Emotionen wieder zur Ruhe und Du kannst die Situation noch einmal neutral analysieren.

 

Die Ebenen des Konflikts erkennen

Wenn Konflikte lange schwelen, haben sie oft mehrere Ebenen. Um sie zu lösen, ist es daher sinnvoll die Ebenen des Konflikts festzustellen. Drei grobe Kategorien, die eine erste Orientierung geben können, lauten: Sach-, Beziehungs-, und Wertekonflikte. Während bei einem Sachkonflikt unterschiedliche Informationen und Meinungen zu einem Thema bestehen, spielen sich Beziehungskonflikte auf persönlicher Ebene ab und beruhen oft auf Kränkungen und emotionalen Verletzungen. Bei Wertekonflikten geht es hingegen um die unterschiedliche Bedeutung, die die Beteiligten einer Sache beimessen. Jede Art von Konflikt ist anders gelagert und braucht andere Lösungsansätze. Je besser Du verstehst, woran es hackt, desto leichter wirst Du den Konflikt auflösen können


Lösungsvorschläge bringen

Statt Dich in den Konflikt hineinzusteigern, ist es wesentlich sinnvoller, Dir Lösungsvorschläge zu überlegen. Kann es einen Kompromiss geben? Welche realistischen Möglichkeiten gibt es, um den Konflikt zu lösen? Was kannst Du persönlich dafür tun? Und wie kannst Du Deinem Gegenüber entgegenkommen? Ein Konflikt sollte niemals verbrannte Erde hinterlassen. Denn Konflikte können nur fruchtbar werden, wenn keiner sich als Unterlegener fühlt. Beide Seiten müssen mit der Lösung zufrieden sein und das Gefühl haben, dass die eigene Sichtweise ernst genommen wurde.
 

Konflikte fruchtbar machen

Betrachte Konflikte nicht vorrangig als eine Belastung. Es ist ganz natürlich, dass Menschen unterschiedlichster Prägung nicht den gleichen Blick auf die Welt haben und dass es zu Meinungsverschiedenheiten kommt. Versuche Konflikte als eine Bereicherung zu sehen. Wenn Du mal in Ruhe nachdenkst, wird Dir sicherlich die ein oder andere Auseinandersetzung einfallen, die Dir die Augen geöffnet und positiv zu Deiner persönlichen Entwicklung beigetragen hat. Sei deshalb offen für die Perspektive Deines Partners, Deines Arbeitskollegen und guter Freunde. Es kann Dich weiterbringen und zu einem besseren Miteinander führen.

 

Je offener Du Deine Bedürfnisse und Wünsche erkennst und mitteilst, umso einfacher kannst Du mit Deinem Gegenüber einen Konflikt lösen. Vor allem solltest Du Unzufriedenheit nicht zu lange mit Dir herumtragen und Missstände zeitnah ansprechen. Denn ein offenes Gespräch führt schneller ans Ziel als ein langgehegter Groll.