Heutzutage tendieren Eltern dazu, ständig um die Kinder herumzuschwirren und ihr Leben von klein auf zu kontrollieren. Klar, Dein Kind ist Dein Ein und Alles und Du möchtest, dass es dem Nachwuchs gut geht. Doch Kinder werden flügge und müssen sich in der Gesellschaft alleine behaupten lernen. Welches Verhalten für Helikopter-Eltern typisch ist und worauf Du bei der Kindererziehung achten solltest, erfährst Du hier.
 

Was sind Helikopter-Eltern?

Die Bezeichnung „Helikopter-Eltern“ beschreibt recht anschaulich, was Eltern bei diesem Erziehungsstil tun: Sie kreisen ständig um ihre Kinder und wollen überall die Kontrolle behalten. Kindergarten, Schule, Freizeitaktivitäten, Freunde – die Eltern wissen über alles Bescheid und greifen ins Geschehen ein, sobald sie eine Gefahr oder ein Hindernis für ihr Kind wittern. Bei Lehrern und Erziehern sind sie gefürchtet, da sie sich ständig einmischen. Von anderen Eltern werden sie oft belächelt, weil sich ihr ganzes Leben nur um das Kind dreht.

Fürsorge schön und gut, und dass Dein Kind behütet aufwachsen soll, steht außer Frage. Schließlich willst Du doch nur eine gute Mutter oder ein guter Vater sein. Doch durch eine permanente Überwachung werden Kinder schnell in ihrer freien Entfaltung eingeschränkt, worunter auch deren Selbstständigkeit leiden kann.

Helikopter-Eltern

Welches Verhalten ist typisch für Helikopter-Eltern?

Die eigenen Kinder in den ersten Jahren zu behüten, ist natürlich nichts Verwerfliches. Für die Kinder da zu sein, wenn sie einen brauchen, sollte für Eltern selbstverständlich sein. Doch wenn die elterliche Fürsorge in eine Überfürsorge ausartet, hilft das dem Kind nicht weiter. Ein typisches Verhalten von Helikopter-Eltern ist beispielsweise:

Sie bringen die Kinder zur Schule, zum Sport, zum Musikunterricht und holen sie auch wieder ab (oder warten gleich dort), auch wenn die Kinder alleine gehen könnten.

Sie überwachen die schulischen Leistungen und suchen oft das Gespräch mit den Lehrern.

Sie stellen hohe Ansprüche an ihr Kind, schließlich soll es einen guten Schulabschluss machen und später erfolgreich sein.

Sie erfüllen ihrem Kind jeden Wunsch.

Sie mischen sich in die Wahl der Freunde des Kindes ein.

Ihr Kind steht für sie immer im Mittelpunkt.

Im Haushalt müssen ihre Kinder nicht mithelfen, und auch sonst werden ihnen sämtliche Aufgaben abgenommen.

Sie sind überängstlich und greifen vorzeitig in Situationen ein, in denen ihr Kind sich selbst behaupten sollte.

Auf dem Spielplatz spielen sie immer mit ihrem Kind, statt es mit anderen Kindern toben zu lassen.

Sie organisieren den Tagesablauf ihrer Kinder bis ins kleinste Detail, so dass wenig Freizeit zum Spielen bleibt.

Bei aller Überfürsorge bemerken Helikopter-Eltern meist nicht, dass sie ihr Kind durch zu viel Liebe und Kontrolle erdrücken. Gleichzeitig leiden sie auch selbst darunter, immer nur unterwegs zu sein und das Kind von Termin zu Termin zu bringen. Die übertriebene Fürsorge bedeutet also für beide Parteien auf die Dauer Stress.

Wenn Du Dich nun in den genannten Punkten wiedererkennst, und sei es auch nur in einigen davon, solltest Du weiterlesen. Denn die folgenden Tipps können Dir helfen, Deinen Erziehungsstil zum Wohle Deines Kindes – und zu Deinem Wohle - ein wenig anzupassen.

 

Worauf Du bei der Erziehung achten solltest

Liebe und Fürsorge im richtigen Maß sind die Basis für eine gute Erziehung. Was viele überfürsorgliche Eltern jedoch vergessen: Unser ganzes Leben besteht aus einem Wechselspiel zwischen Bindung und Autonomie. Während Helikopter-Eltern den ersten Teil im Übermaß erfüllen, kommt der zweite Teil viel zu kurz. Um Kinder liebevoll zu eigenständigen Menschen zu erziehen, braucht es also eine ausgewogene Mischung aus beidem:


Die richtige Balance finden

Dein Kind zu lieben, ist eine Sache. Sein Leben zu bestimmen, eine andere. Kinder müssen eigenständig fliegen lernen, denn eines Tages werden sie das Nest verlassen und auf eigenen Beinen stehen. Deshalb ist es bei der Erziehung wichtig, den Kindern Nestwärme zu schenken, solange sie sie brauchen, und jederzeit für sie da zu sein. Doch genauso wie kleine Vögelchen müssen sie auch in die Freiheit losgelassen werden, damit sie ihre eigenen Erfahrungen sammeln können. Wie die richtige Balance gelingen kann, erfährst Du beispielsweise im Online-Kurs "Nestwärme, die Flügel verleiht" beiden Diplom-Psychologinnen Stefanie Stahl und Julia Tomuschat.

 

Selbstständigkeit fördern

Dein Kind kann mehr als Du ihm zutraust. Deshalb lass es einfach machen. Es muss lernen, eigene Entscheidungen zu treffen, sich auch in schwierigen Situationen zu behaupten und die eigene Persönlichkeit zu entfalten. Ab einem gewissen Alter müssen Kinder für sich selber denken und handeln. Probleme eigenständig zu lösen und Kompromisse einzugehen, sind wichtige Grundlagen, um in der Gesellschaft zurecht zu kommen. Wenn Du dem Kind nun alle Entscheidungen abnimmst, geht bereits die Basis verloren. Doch Autonomie ist ein wichtiger Teil des Lebens und sollte schon bei kleinen Kindern gefördert werden.

 

Die Wünsche Deines Kindes respektieren

Was mag Dein Kind? Was macht ihm Spaß? Mit wem spielt es gerne? Ist es wirklich glücklich oder denkst Du das nur? Helikopter-Eltern vergessen oft, die Wünsche des Kindes zu respektieren. Zu sehr wollen sie ihm die Vorstellung dessen aufdrängen, was sie selbst für das Beste halten. Natürlich ist es toll, dass Dein Kind die Möglichkeit hat, Fußball zu spielen, ein Instrument zu lernen und nebenbei noch eine Fremdsprache zu lernen. Doch will Dein Kind das wirklich? Oder hätte es nicht viel lieber weniger Freizeitstress, um zu Hause in Ruhe zu spielen?



So hart es auch sein mag: Manchmal musst Du Dein Kind einfach gehen lassen. Dann wird es ganz von alleine wieder zurückkommen, wenn es Deine Nähe braucht. Gibt ihm seine Freiheiten, lass es eigene Entscheidungen treffen und auch einmal Fehler machen. Denn nur dadurch wachsen Kinder zu eigenständigen und glücklichen Persönlichkeiten heran.