Narzissmus ist eine Persönlichkeitsstörung, die auf massiven Minderwertigkeitskomplexen basiert. Unser gängiges Bild von einem Narzissten ist das eines selbstverliebten Angebers und Blenders männlichen Geschlechts. Doch das Krankheitsbild gibt es auch bei Frauen. Weibliche Narzisstinnen verhalten sich allerdings ganz anders.


Was ist weiblicher Narzissmus?

Narzissmus ist vielen als Persönlichkeitsstörung bekannt. Doch es gibt noch eine andere Form: den weiblichen Narzissmus. Erstere ist überwiegend bei Männern zu finden, letztere bei Frauen. Doch nicht nur: Auch bei Männern – wenn auch recht selten - kann sich die Persönlichkeitsstörung durch Verhaltensmuster zeigen, die eigentlich typisch für weiblichen Narzissmus sind.

Narzisstische Männer lassen sich gerne von Bewunderern feiern, protzen in der Öffentlichkeit, manipulieren ihr Umfeld, geben nach außen hin gerne den großen Gönner, während sie privat abweisend, egoistisch und gefühlskalt sind und sich nicht an eine andere Person binden wollen oder können. Dieses Verhalten vertuscht ihr extrem geringes Selbstbewusstsein und enorme Minderwertigkeitskomplexe.

Diese Ursachen sind im Verhalten von narzisstischen Frauen hingegen deutlich erkennbar. Durch die Unsicherheit und Minderwertigkeitsgefühle streben Narzisstinnen übermäßig nach Bestätigung von außen. Perfektionismus, Selbstzweifel und die Sucht nach Anerkennung bestimmen ihr Leben, immer mit dem Ziel zu gefallen. Bleiben Bestätigung und Bewunderung aus, bricht für sie eine Welt zusammen.

Weiblicher Narzissmus führt oft zu Essstörungen, Depressionen, Angststörungen und Suchtverhalten, weil sich die Betroffenen selbst pausenlos unter Druck setzen, um nach außen hin perfekt zu sein. Von den Leiden hinter der Fassade bekommt die Außenwelt jedoch oft nichts mit. Deshalb gilt weiblicher Narzissmus auch als versteckter Narzissmus.

Bärbel Wardetzki hat mit „Weiblicher Narzissmus – Der Hunger nach Anerkennung“ einen Bestseller verfasst, in dem sie diese Zusammenhänge zwischen dem Streben nach Bewunderung und der inneren Leere beschreibt. Für sinnsucher hat sie einen Kurs ins Leben gerufen, den Du hier buchen kannst:

Woher kommt weiblicher Narzissmus?

Die Ursachen für weiblichen Narzissmus sind die gleichen wie für die bekanntere Form der Persönlichkeitsstörung, die überwiegend bei Männern zu finden ist:

  • geringes Selbstwertgefühl
  • Selbstzweifel
  • starke Minderwertigkeitskomplexe
  • hoher Leistungsdruck der Eltern
  • traumatische Kindheit
  • strenge Erziehung

Die Grundlagen werden meist in der Kindheit geschaffen, beispielsweise durch ein gestörtes Verhältnis zu den Eltern, durch Liebesentzug oder durch ein übermäßiges Streben nach Status und Ansehen der Eltern. Allerdings äußert sich der weibliche Narzissmus auf unterschiedliche Weise.

 

Wie äußert sich weiblicher Narzissmus?

Viele der Symptome des weiblichen Narzissmus sind in der Bevölkerung weit verbreitet und sind alleine noch kein klarer Hinweis auf eine Persönlichkeitsstörung. Deshalb bleibt sie oft für Außenstehende verborgen, zehrt jedoch sehr an den Kräften der Betroffenen. Denn sie treiben sich bis zur Selbstaufgabe bis an oder über ihre Grenzen, um Anerkennung zu ernten.

Anzeichen für weiblichen Narzissmus sind

  • zwanghafter Perfektionismus
  • selbstsicheres Auftreten
  • sehr gepflegtes Erscheinungsbild
  • Bescheidenheit
  • hohe Ansprüche an sich selbst
  • hohe Wertlegung auf Äußerlichkeiten
  • starke Anpassungsfähigkeit

Klingt auf den ersten Blick nach positiven Eigenschaften. All das dient jedoch nur der Außenwirkung, um bewundert zu werden. Tief im Inneren nagen Selbstzweifel und das Gefühl, nie gut genug zu sein. In der heutigen Zeit bieten die sozialen Medien eine ideale Plattform zur Selbstdarstellung. Nur perfekte Bilder werden hochgeladen, in der Hoffnung auf viele Likes und bestätigende Kommentare. Jeder negative Kommentar streut jedoch zusätzlich Salz in die Wunde.

Wird am Erscheinungsbild Kritik geübt, können Narzisstinnen damit nicht umgehen und versuchen, noch perfekter und noch makelloser zu sein, um die Fassade aufrecht zu halten. Diese Fassade ist jedoch nur der verzweifelte Versuch, die unangenehme Wirklichkeit dahinter zu überspielen. Kritik ist für Narzisstinnen also ein riesengroßes Problem, das zu Depressionen und Essstörungen und somit auch zur Selbstzerstörung führen kann.

Der narzisstische Konflikt besteht laut Wardetzki in der Unvereinbarkeit von Grandiosität und Minderwertigkeit. Denn die eigenen Bedürfnisse werden vernachlässigt, um den Schein zu wahren. Die Betroffenen führen jeden Erfolg auf ihr Äußeres zurück und können sich nicht vorstellen, für ihre Persönlichkeit akzeptiert und gemocht zu werden. Viele Frauen haben deshalb Angst vor dem Älterwerden, vor dem Nicht-mehr-perfekt-sein.

 

Weiblicher Narzissmus und Trennung

Eine Trennung vom Partner stürzt Narzisstinnen in eine tiefe Krise, denn damit ist sowohl das Scheinbild von der perfekten Partnerschaft als auch die Rückbestätigung vom Partner in der Beziehung zerstört. Was bleibt, ist die Angst vor Einsamkeit und Isolation.

Beziehungen mit narzisstischen Frauen führen häufig zur Trennung, da sie stark klammern und den Partner um jeden Preis an sich binden wollen. Dafür scheuen sie auch vor Lügen, Manipulationen und Intrigen nicht zurück. Eine echte emotionale Bindung ist für sie nur selten möglich, da sie ihre eigenen Gefühle gar nicht kennen. Auch nach einer Trennung empfinden sie keine Trauer, sondern Wut und Rachegelüste.



Ist weiblicher Narzissmus heilbar?

Grundsätzlich gilt Narzissmus als unheilbare Persönlichkeitsstörung, da Narzissten sich selbst für perfekt halten und keinen Makel an ihrem Verhalten sehen. Anders ist es beim weiblichen Narzissmus, unter dem die Betroffenen oft extrem leiden. Dieser Leidensdruck kann durch Psychotherapie gelindert werden. Dieses Ziel hat auch der Online-Kurs von Bärbel Wardetzki, in dem sie die Zusammenhänge ausführlich darstellt und Wege aus dem ewigen Teufelskreis aufzeigt.

Die Übungen zielen darauf ab

  • das Selbstwertgefühl zu steigern
  • die eigenen Bedürfnisse zu erkennen
  • die Ängste zu überwinden
  • den Kontakt zum wahren Selbst aufzunehmen
  • beziehungsfähig zu werden
  • Autonomie zu erlangen

Mit diesem Kurs können Narzisstinnen den Zugang zu sich selbst finden und destruktive Verhaltensweisen kontrollieren lernen.