Die Lauten haben das Sagen und im Alltag geht es manchmal zu wie auf dem Rummel. Wer darunter leidet, sind introvertierte Menschen, denen die leisen Töne lieber wären und die sich von der rasanten Welt schnell überrollt fühlen. Doch introvertiert zu sein ist kein Makel und kann sogar zur echten Stärke werden. Hier erfährst Du, wie das möglich ist.

 

Was bedeutet introvertiert sein?

Introvertierte Menschen haben von klein auf ein großes Bedürfnis nach Ruhe und scheuen sich vor sozialen Kontakten, die sich außerhalb der selbsterwählten Komfortzone an engen Bekannten befinden. Wer introvertiert ist, hat oft Scheu davor, mit fremden Menschen zu reden, und sei es nur Smalltalk. Introvertierte sind gerne alleine, gerne im eigenen Zuhause, sie gehen ungerne unter Leute, schon gar nicht, wenn sie niemanden kennen. Sie sind sehr sensibel oder sogar hochsensibel, ihnen fällt es schwer, klare Grenzen zu setzen und auch einmal laut und deutlich Nein zu sagen.

Für hochsensible Menschen ist es oft nicht leicht, sich vor der lauten Welt abzuschotten und sich darin zurecht zu finden. An allen Ecken lauert eine Stresssituation. Die Welt ist schnelllebig, die Menschen oft rücksichtslos, der moderne Lebensstil oberflächlich. Überall Menschenmassen und Lärm auf den Straßen – wer von Natur aus hochsensibel ist, hat es schwer, seinen Platz zu finden, ohne damit unglücklich zu sein. Die Folge ist meist der Rückzug.

Doch wer seine Introversion als Stärke erkennt und sie unter der Masse an extrovertierten Menschen einzusetzen weiß, kann sehr erfolgreich und glücklich werden. Ein Drittel oder sogar die Hälfte der Bevölkerung gilt als introvertiert, Du bist also nicht alleine. Bis zu 20 Prozent der Bevölkerung sind sogar hochsensibel, der Großteil davon weiß es nur noch nicht. Die Introversion führt bei vielen dazu, dass sie sich zurückziehen, andere Menschen lieber meiden und nur einen engen Bekanntenkreis pflegen, dem sie sich jedoch gerne öffnen.

Falls auch Du zu den introvertierten Menschen gehörst und Deine Begabung noch nicht richtig zu nutzen weißt, können Dir die folgenden Tipps helfen, mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln und Dich in der lauten Welt zu behaupten.

 

Warum Introvertierte oft unterschätzt werden

Laute Menschen werden in der Welt viel mehr wahrgenommen und als kompetent angesehen. Dabei ist das oft nur großes Getue. Introvertierte Menschen haben hingegen ein unfassbares Potenzial, denn sie gehen die Dinge bedachter an, ruhiger und vernünftiger. Doch sensible Menschen kapseln sich gerne von der Außenwelt ab und werden von Selbstzweifeln geplagt. Dabei besitzen sie eine besondere Gabe mit einzigartigen Fähigkeiten, auf die sie stolz sein sollten:


Introvertierte Menschen können oft sehr gut zuhören. Denn sie stellen sich nicht selbst in den Mittelpunkt, müssen nicht ständig gehört werden und haben die Empathie und Sensibilität, sich in den anderen hineinzuversetzen.

Introvertierte hochsensible Menschen haben oft eine fast unfehlbare Intuition. Sie hilft dabei, Emotionen und Situationen schnell zu erfassen und richtige Entscheidungen zu treffen.

Introvertierte denken, bevor sie reden. Während extrovertierte Menschen viel heiße Luft von sich geben, hat die Meinung eines Introvertierten Hand und Fuß. Sie arbeiten sorgfältig und konzentriert und liefern am Ende die besseren Resultate ab als diejenigen, die nur große Reden schwingen.

Während Extrovertierte die Stille nicht ertragen können, werden Introvertierte dann erst richtig produktiv und kreativ.

 

Leider ist es in der heutigen lauten Welt so, dass auch derjenige als fähiger angesehen wird, der sich durch lautes Gerede am besten verkauft. Introvertierte werden häufig zu Unrecht übersehen. Doch das lässt sich ändern!

Wie kannst Du mit Deiner Introversion besser umgehen?

Introvertiert sein ist weder ein Nachteil noch eine schlechte Eigenschaft. Deshalb akzeptiere Dich, wie Du bist, und lege das Gefühl ab, anderen gegenüber unterlegen zu sein. Denn genau das Gegenteil ist der Fall – und es ist Zeit, dass Du das auch selbst erkennst. Diese Tipps helfen Dir dabei:


Akzeptiere Dich, wie Du bist

Du hast das Gefühl, Du müsstest Dich verändern, um mit der Außenwelt besser zurecht zu kommen? Ein Mangel an Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen lässt Introvertierte denken, mit ihnen stimme etwas nicht. Dabei sind sie einfach nur anders, nehmen ihre Umwelt intensiver wahr und werden von den Reizen schnell überfordert. Das ist aber völlig ok so und ganz sicher kein Grund, sich in irgendeiner Form zu ändern und anzupassen. Denn Introversion ist eine angeborene Eigenschaft und kein erlerntes Verhalten.


Du bist gut genug – sogar besser

Wenn Du Dir immer wieder einredest, andere würden Dich für nicht gut genug halten, weil Du zu still bist, solltest Du jetzt umdenken. Denn Du kannst mehr als die anderen, Du kannst es besser. Nur dass andere nach außen hin selbstbewusster auftreten, sagt noch lange nichts über deren Fähigkeiten aus.


Finde Deine Berufung

Vielleicht steckst Du in einem Beruf fest, in dem Du gegen Deine Natur angehen musst und der Dich nicht glücklich macht. Dann ist jetzt der Moment gekommen, umzudenken. Denn nicht Du musst Dich Deinem Job und Deinem Umfeld anpassen, sondern Dein Job und Dein Umfeld müssen zu Deinen Bedürfnissen passen. Manchmal kann das der erlösende Schritt in Richtung Lebensglück sein. Du kommst mit der Situation in einem Großraumbüro nicht zurecht? Vielleicht kannst Du Dich in einem Bereich, den Du liebst, selbstständig machen und nach Deinem eigenen Rhythmus arbeiten. Der Stress und der Leistungsdruck in der Arbeit überfordern Dich, dabei würdest Du so gerne etwas Sinnvolles, Soziales machen? Dann wage den Schritt in einen neuen Aufgabenbereich. Finde heraus, was Dich glücklich macht, und richte Dir Dein Leben so ein, dass Du Deine Stärken einsetzen kannst.


Grenze Dich von anderen ab

Abgrenzung bedeutet nicht, sich abzukapseln und ins Schneckenhaus zu verkriechen. Abgrenzung bedeutet, dass Du Nein sagst, wenn Dir die Dinge über den Kopf wachsen, dass Du eine deutliche Grenze ziehst. Dazu gehört auch, Dir nicht mehr so viele Gedanken darüber zu machen, was andere über Dich denken. Du bist Du und was die anderen sagen, tut nichts zur Sache und sollte Dich schon gar nicht daran hindern, Dich voll zu entfalten.


Nimm Dir Deine Auszeiten

Du brauchst oft Ruhe, um neue Kraft zu schöpfen? Das ist völlig in Ordnung. Du musst nicht überall dabei sein, wenn Dir das Deine wertvolle Energie raubt. Nimm Dir Deine Ruhepausen, wenn Du sie brauchst und lass Dir von Außenstehenden nicht einreden, das sei eine Schwäche. Wenn Du durch Ruhe Dein wahres Potenzial entfalten kannst und zu kreativer Höchstform aufläufst, dann nur zu! Das bedeutet auch noch lange nicht, dass Du ungesellig wärst. Du hast einfach nur einen anderen Lebensrhythmus und bist damit bei weitem nicht alleine.


Übrigens sind und waren viele Künstler und große Köpfe im Privatleben sehr introvertiert und leben zurückgezogen. Albert Einstein, Stephen Spielberg, Bill Gates – allesamt Genies in ihrem Bereich, gelten als introvertiert. Vielleicht hilft Dir diese Vorstellung, das Potenzial zu wecken, das tief in Dir schlummert und endlich raus will.