Fasten ist viel mehr als nur Abnehmen


Die meisten Menschen verbinden das Wort „Fasten“ mit dem Verzicht auf Genussmittel wie Alkohol, Kaffee, Zucker oder Fleisch. Die Motivation, eine reduzierte Ernährung über einen gewissen Zeitraum einzuhalten, ist meistens, am Ende ein paar Kilo weniger auf der Waage zu haben.

Doch Fasten ist noch so viel mehr:

Reinigung, Loslassen, Befreiung, Selbsterkenntnis, Neuanfang.


In verschiedenen Religionen hat die Fastenzeit eine lange Tradition, an deren Ende der Fastende näher zu Gott finden oder eine Erleuchtung haben kann. Diesen spirituellen Aspekt vergessen viele, dabei kann er unser Leben sogar nachhaltig verändern. Denn während wir nach wenigen Wochen wieder zurück in alte Ernährungsmuster fallen, können Erkenntnisse über unser Ich dauerhaft unser Denken und Verhalten beeinflussen.


Das Reduzieren auf das Wesentliche bringt uns zu der Erkenntnis: Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Und Konsumgüter können dieses innere Gefühl der Zufriedenheit selten hervorrufen. Um nun herauszufinden, was Dir persönlich wichtig ist, kannst Du die Fastenzeit nutzen, um überflüssigen Ballast abzuwerfen – körperlich, seelisch und emotional.

 

Hand mit einer Blaubeere

 

Fasten-Methoden für Geist und Seele


Wenn sich der Körper durch eine gesunde, reduzierte Ernährung reinigen und zur Ruhe kommen kann, wirkt sich das genauso auf den Geist aus. Die Reinigung vollzieht sich auch auf mentaler Ebene und wir können viele Dinge wieder klarer sehen. Diesen Vorgang können wir ganz gezielt zur Selbstfindung nutzen.

Hier sind ein paar Fasten-Vorschläge, wie Du in der Fastenzeit neben Deinem Körper auch Deinen Geist reinigen und zu Dir selbst finden kannst: 

 

Verzicht auf Medien:

Du hast ständig das Handy in der Hand, musst immer wissen, was es Neues in den Sozialen Medien gibt und schaust nach Feierabend lieber fern oder streamst Serien, statt ein Buch zu lesen und Freunde zu treffen? Dann wäre jetzt ein guter Moment, um den Medienkonsum zu reduzieren. Mache Dir dabei bewusst, wie oft Du zum Smartphone greifst, ohne gezielt jemanden anrufen zu wollen. Schaust Du abends ausgewählte Sendungen aufmerksam an oder läuft der Fernseher nur nebenbei und Du zappst Dich von Programm zu Programm? Die radikale Form des Digitalfastens wäre der komplette Verzicht auf Medien während der von Dir gesetzten Fastenzeit. Für den Einstieg schärft jedoch schon die reduzierte Nutzung das Bewusstsein, wie oft wir uns unnötig von den bunten Bildern berieseln lassen.

 

Verzicht auf Konsum:

Diese Fasten-Form kann eine harte Prüfung für alle werden, die gerne einen Shopping-Bummel machen und unterwegs ständig Kleinigkeiten einkaufen. Doch was davon brauchst Du wirklich? Und was kaufst Du nur, weil es Dir gerade im Moment gefällt, weil Dir langweilig ist oder Du Dich für etwas belohnen willst? Der Vorsatz für die Fastenzeit: nur die Dinge einkaufen und konsumieren, die wirklich notwendig sind. Alles andere hebst Du Dir für nach dem Konsum-Fasten auf. Dabei wirst Du schnell merken: Die meisten Dinge hast Du bereits am nächsten Tag vergessen. Gegenstände, die Du wirklich gerne haben würdest und die Dein Leben bereichern, bleiben im Gedächtnis und warten die paar Fastenwochen auf Dich. Das eingesparte Geld kannst Du übrigens in eine Spardose stecken und Dich nach Ende der Fastenzeit wundern, wie viel dabei zusammengekommen ist.

 

Wohnung ausmisten:

Nimm Dir jeden Tag eine Ecke, einen Schrank oder ein Zimmer vor, das Du von unnötigem Ballast befreist. Wie oft haben wir Kleinkram, Fehlkäufe, nicht mehr benutzte Dinge und Kleidung im Schrank, die dort schon seit Jahren ihren Platz gefunden haben und vermutlich auch nie wieder zum Einsatz kommen. Deshalb: Weg damit und freien Platz schaffen! Denn mehr Platz bedeutet auch mehr Freiheit, und die überträgt sich vom Kleiderschrank auch auf unsere Psyche. Nicht umsonst fällt der Frühjahrsputz in die Fastenzeit, denn er reinigt auch unser Inneres.

 

Verzicht aufs Auto:

Das Auto steht vor der Tür und bringt Dich jederzeit überall hin. Das ist ein schöner Luxus, der aber auch die Bequemlichkeit fördert. Deshalb laufe ab jetzt öfter zu Fuß oder nimm das Fahrrad und lass das Auto stehen. Das bringt Dir mehr Bewegung und obendrein bekommst Du beim Spaziergang noch eine mentale Entspannungseinheit. Denn nichts befreit den Geist so gut wie ein Spaziergang an der frischen Luft. Dabei kannst Du sogar eine kleine Atmungsübung einbauen, die eine meditative und stressreduzierende Wirkung hat. Ganz nebenbei leistest Du sogar einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz.

 

Vermeiden von Plastik:

Ebenfalls eine gute Übung, um das Bewusstsein zu schärfen, ist der Verzicht auf Plastik. Dass das nicht abbaubare Verpackungsmaterial zum Problem für die Umwelt geworden ist, wissen die meisten. Und dennoch produzieren wir jeden Tag aufs Neue tonnenweise Plastikmüll. Deshalb geh während der Fastenzeit mit offenen Augen durch den Supermarkt und versuche, plastikfreie Alternativen zu finden – auch wenn das den Verzicht auf Lieblingsprodukte bedeutet. Obst und Gemüse gibt’s ohne Verpackung auf dem Bauernmarkt, Kosmetikartikel sind inzwischen ebenfalls unverpackt erhältlich und Joghurt, Milch und sonstige Getränke gibt es auch in Glasflaschen.

 

Achtsamkeit üben:

Die Fastenzeit ist zwar vom Verzicht auf materielle Dinge geprägt, doch für Dich kann das einen großen Zugewinn bedeuten. Denn wenn Deine Gedanken nicht mehr nur um den Konsum kreisen, kannst Du das Hier und Jetzt besser wahrnehmen und genießen. Das Fasten ist ein wunderbarer Einstieg, um achtsamer durchs Leben zu gehen. Um Dich selbst besser wahrzunehmen. Um Deine wahren Bedürfnisse zu erkennen. Und um zu merken, wann Du wirklich zufrieden bist. Dazu kannst Du jeden Tag ein paar kurze Achtsamkeits-Übungen in den Alltag einbauen, die bald zum Ritual werden und Deinen Blick für die wesentlichen Dinge des Lebens schärfen.

 

Für alle Fasten-Methoden gilt:

Beobachte Dich während des Fastens ganz genau, werde Dir über Deine Gefühle bewusst und hinterfrage manche Entscheidungen genauer. Vielleicht kannst Du Dich von manchen Gegenständen und Verhaltensmustern überraschend leicht trennen. Bei anderen fällt es vielleicht schwerer. Doch genau das ist der reinigende Prozess, der durch das bewusste Fasten ausgelöst wird.

 

Frage Dich immer wieder:

 

  • Brauche ich das wirklich?
  • Macht mich das glücklich?
  • Wie würde es mir gehen, wenn ich es nicht hätte/machen würde?


Deine Gedanken und Gefühle kannst Du in einem Fastentagebuch festhalten. Denn Schritt für Schritt wirst Du auf Deinem Weg zu Dir selbst mehr über Dich erfahren. Wenn Du alles niederschreibst, gehen Deine Erkenntnisse nach Ende der Fastenzeit nicht verloren und Du kannst jederzeit darauf zurückgreifen, wenn Du wieder in alte Muster verfällst.