Kränkungen, mangelnde Anerkennung, Vertrauensbruch - Enttäuschungen gehören zum Leben und bringen uns hin und wieder aus der Bahn. Enttäuscht zu sein ist im ersten Moment auch völlig in Ordnung. Wer sich jedoch zu sehr daran klammert, wird verbittert. Damit es gar nicht erst soweit kommt, erfährst Du hier, wie Du Enttäuschungen besser überwinden kannst.

 

Wie kann ich besser mit Enttäuschungen umgehen?

Enttäuscht werden kann nur, wer hohe oder falsche Erwartungen hat. Deshalb trifft uns eine Enttäuschung oft sehr hart, weil wir plötzlich erkennen müssen, dass unsere Wunschvorstellung nicht mit der Realität übereinstimmt. Der eigene Stolz ist verletzt, im ersten Moment scheint die Welt zusammenzubrechen. Trotzdem heißt es dann: aufstehen, Krönchen richten, weitergehen.

Denn wenn Du Deine Enttäuschung nicht überwinden kannst, droht Verbitterung Dein Leben zu bestimmen, die Dir jede Chance auf Glück und Zufriedenheit raubt. Verbitterte Menschen schieben die Schuld für ihre Enttäuschung gerne auf andere, statt sich selbst zu hinterfragen und die eigene Erwartungshaltung zu ändern.

 

5 Wege aus der Verbitterung

Durch Selbstreflexion kannst Du lernen, mit Enttäuschungen besser umzugehen. Diese 5 Schritte helfen Dir dabei:
 

1. Akzeptiere Deine Enttäuschung

Du bist enttäuscht, weil die Dinge nicht so gelaufen sind, wie Du es Dir vorgestellt hast. Du bist enttäuscht vom Verhalten einer anderen Person. Oder Du bist sogar von Dir selbst enttäuscht, weil Du Deine eigenen Erwartungen nicht erfüllt hast. All das ist völlig in Ordnung und kommt im Leben immer wieder vor. Meist wird die Enttäuschung noch von weiteren Emotionen begleitet, wie Trauer, Wut, Frust und Kränkung.

Diese Gefühle darfst Du zulassen, denn sie sind im ersten Moment ganz normal. Nimm sie bewusst, achtsam und wertungsfrei wahr. Überlege, wie Du Dich fühlst und warum Dich die Situation so aufwühlt. Akzeptiere die Enttäuschung für den Augenblick. Nach einer Weile solltest Du jedoch wieder nach vorne schauen und die negativen Emotionen hinter Dir lassen.
 

2. Lasse Deine Gefühle raus

Enttäuschungen und die damit verbundenen negativen Gefühle in Dich hineinzufressen, macht Dich nur unglücklich und auf die Dauer verbittert über die Ungerechtigkeiten des Lebens. Deshalb lasse Deiner Enttäuschung freien Lauf. Entweder sprichst Du die betroffene Person direkt an, suchst Dir jemand anderen zum Reden oder schreibst Dir alles von der Seele.

Nimm ein Blatt Papier und fasse all Deine Gefühle und Gedanken in Worte. Wenn Du Dir das Geschriebene noch einmal durchliest, wirst Du vielleicht sogar einiges anders sehen und erkennen, wo Deine eigenen Erwartungen zu hoch waren. Vielleicht hast Du Deine eigenen Werte und Ansprüche auf die andere Person projiziert und verstehst nun, dass ihr eben doch unterschiedliche Ansichten habt. Das Aufschreiben nimmt Dir auf der einen Seite die Wut und den Frust, die in Dir brodeln, auf der anderen Seite hilft es bei der Selbstreflexion. Anschließend kannst Du den Zettel vernichten und damit die Enttäuschung loslassen.

3. Finde das Positive

Reflektiere und hinterfrage, warum Du überhaupt so enttäuscht bist. Hast Du Dir vielleicht zu große Hoffnungen gemacht? Hast Du die Welt durch eine rosarote Brille gesehen? Hast Du eine andere Person falsch eingeschätzt? Bei genauerer Betrachtung ergeben sich vielleicht Hinweise, die Dir schon vorher hätten auffallen können, die Du Dir jedoch schöngeredet hast. In dem Fall öffnet Dir die Enttäuschung die Augen und verhilft Dir zu positiven Veränderungen, die Dich glücklicher und zufriedener machen.

So kann eine plötzliche Kündigung die Chance für einen Neustart sein, denn eigentlich war der Job sowieso zu stressig und hat Dich viel Kraft gekostet. Eine Trennung ist vielleicht genau der nötige Schlussstrich, um eine Beziehung zu beenden, die eigentlich schon länger gekriselt hat. Auch wenn es im ersten Moment schwerfällt, in der Enttäuschung etwas Positives zu sehen: Gib Dir ein wenig Zeit, und Du wirst überraschende Erkenntnisse darüber gewinnen, was Dir im Leben wirklich wichtig ist.


4. Erkenne den Sinn

Du wurdest gerade gekündigt, hast eine Absage für Deinen Traumjob erhalten, Du wurdest vom Partner hintergangen und musst die Trennung verarbeiten – es gibt viele Situationen, in denen wir enttäuscht sind und den Schmerz der Zurückweisung erst verarbeiten müssen. Doch nichts im Leben passiert ohne Grund, und wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

Vielleicht hast Du die Jobabsage bekommen, weil Dir bald noch eine viel bessere Aufgabe angeboten wird. Vielleicht hat die Trennung den Sinn, dass Du Deine wahren Bedürfnisse erkennst und Dich endlich frei entfalten kannst. Vielleicht wartet auch die wirklich wahre Liebe auf Dich. Deshalb lass Dich von der Enttäuschung nicht zu sehr runterziehen. Hake das Kapitel ab und freue Dich auf die wunderbaren Dinge, die Dir das Leben noch zu bieten hat.


5. Gewinne Stärke

Natürlich fühlst Du Dich anfangs als Opfer, dem Unrecht widerfahren ist. Doch wie eingangs schon erwähnt, hängt eine Enttäuschung von Deiner eigenen Erwartungshaltung ab. Nicht die ganze Welt hat sich gegen Dich verschworen, sondern Du hast Dein Weltbild an Deine Erwartungen angepasst – und das wurde nun zerstört.

Daraus kannst Du für die Zukunft lernen und die Enttäuschung als wertvolle Erfahrung mitnehmen. Statt Dich in der Opferrolle auszuruhen, sammle aus der Enttäuschung neue Stärke und lass die Verbitterung hinter Dir. Dafür gewinnst Du an Lebenserfahrung und Weisheit, die Dich vor neuen Fehleinschätzungen bewahren.


Nutze Enttäuschungen also, um Dich selbst besser kennen zu lernen. Denn Selbstreflexion ist der Weg, um Groll und Verbitterung zu überwinden. Durch jede Enttäuschung erfährst Du mehr über Dich und Deine Erwartungen an Dein Umfeld. Für die Zukunft kannst Du Deine Erwartungshaltung anpassen oder umsichtiger werden, wenn andere Menschen den Erwartungen nicht nachkommen. 

 

Wie lange dauert es, eine Enttäuschung zu überwinden?

Um eine Enttäuschung zu überwinden, ist es sicherlich notwendig eine gewisse Zeit im Gefühl der Traurigkeit und Wut zu bleiben. Gefühle sollten niemals unterdrückt, sondern immer anerkannt und ausgelebt werden. Wie lange diese Phase dauert, dafür gibt es keinen Richtwert. Es hängt von Dir ab, wann Du Dich bereit fühlst, die schlechten Gefühle wieder loszulassen. Vielleicht musst Du Dich eine Zeit lang zurückziehen, um Deine Wunden zu lecken. Doch lenke Dich zwischendurch immer wieder von Deinem Schmerz ab. Triff Deine Freunde oder gönne Dir selbst etwas Gutes. Dies schenkt Dir wieder Kraft – und nach und nach wirst Du Dich besser fühlen.

Video: So verarbeitest Du erlebtes Unrecht

Dr. Silke Brand ist Diplompsychologin und Expertin für den Umgang mit vergangenem Unrecht. Sich von der Vergangenheit zu lösen, kann schwierig sein, aber in diesem Video erfährst Du, wie Du damit beginnen kannst.