Alle Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder zu glücklichen und starken Persönlichkeiten heranwachsen. In der Erziehung kommt es oft auf eine Mischung aus "Nestwärme geben" und "Flügel verleihen“ an. Wie Eltern die richtige Balance gelingen kann, das verrät unser Beitrag.

 

Was bedeutet Nestwärme?

Kinder sind unser Ein und Alles. Wir wollen, dass es ihnen gutgeht, dass sie glücklich sind und dass sie ihren Weg in eine gesicherte Zukunft gehen. Doch gerade dieses Gehenlassen kann schwierig sein. Denn natürlich wollen Eltern, dass ihre Kinder wohlbehütet aufwachsen und alles Negative von ihnen ferngehalten wird. Doch gerade eigene Erfahrungen sind es, die ein Kind zu einer selbständigen Persönlichkeit machen. Nur dadurch wachsen ihm die Flügel, die es später zum eigenständigen Fliegen braucht.

Der Vergleich mit der Nestwärme von Vögeln veranschaulicht recht gut, wie die Beziehung zwischen Eltern und Kindern sich entwickeln sollte. Anfangs schenken die Eltern den Kleinen viel Wärme und Geborgenheit, damit sie in ihrer hilflosen Phase unter dem Schutz der Eltern im behüteten Nest heranwachsen können. Doch dann werden sie flügge, die Flügel wachsen und eines Tages verlassen sie das Nest, um in die Freiheit zu fliegen.

Sobald sie fliegen können, sind Vögel auf sich alleine gestellt. Doch viele Menschen verpassen den Moment, an dem sie ihre Kinder loslassen müssen und halten zu sehr an der Bindung fest. Das kann zur Folge haben, dass sich der Nachwuchs eingeschränkt fühlt und ausbrechen will oder mit einem eingeschränkten Selbstwertgefühl aufwächst.
 

Nestwärme

 

Autonomie, Bindung und Selbstwert

Autonomie, Bindung und Selbstwert sind die drei Grundbedürfnisse, auf denen die psychische Entwicklung eines jeden Menschen basiert. Sie durchziehen unser ganzes Leben: Genauso wie uns die Bindung zu anderen Menschen wichtig ist, brauchen wir die Freiheit, um uns selbst verwirklichen zu können. Sind diese beiden Aspekte im Gleichgewicht, stärkt das unser Selbstwertgefühl und unsere Persönlichkeit. Herrscht jedoch eins der beiden vor, wirkt sich das auch auf unser Selbstwertgefühl aus.

Eine gesunde Mischung aus Autonomie und Bindung ist deshalb ein wichtiger Teil der Erziehung. Nur wenn wir in unserem eigenen Leben in Balance sind, können wir das auch an unsere Kinder weitergeben. Klingt eigentlich ganz plausibel und einfach, ist es jedoch in der Umsetzung gar nicht. Schließlich klammert sich das Elternherz nur zu gerne an den Nachwuchs. Doch je älter die Kinder werden, umso mehr müssen Eltern von „Nestwärme geben“ auf „Flügel verleihen“ umschalten. Hier erfährst Du, wie Du die richtige Balance finden kannst.

 


Nestwärme – Halt geben und Freiheit schenken

Es gibt autonome und angepasste Eltern. Die einen erziehen die Kinder mit zu viel Freiheit, die anderen mit zu enger Bindung. Ein gutes Mittelmaß zu finden ist gar nicht so leicht. In ihrem Buch „Nestwärme, die Flügel verleiht“ geben die beiden Diplom-Psychologinnen Stefanie Stahl und Julia Tomuschat wertvolle Ratschläge, wie eine gute Mischung aus Halt geben und Freiheit schenken in der Erziehung gelingen kann:

 

Lerne Dich selbst besser kennen

Ein wichtiger Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass wir als Eltern in der Erziehung oft die Balance zwischen Bindung und Autonomie an die Kinder weitergeben, die wir selbst bei der Erziehung durch unsere Eltern erlebt haben. Entsprechend haben wir auch ein Selbstwertgefühl entwickelt, das je nach erfahrener Nestwärme unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Dieses Selbstwertgefühl spielt jedoch gerade im Umgang mit schwierigen Situationen eine große Rolle, wenn Du beispielsweise Reaktionen Deines Kindes persönlich nimmst und Dich schnell angegriffen fühlst. Deshalb lerne Dich selbst besser kennen, akzeptiere Deine Schwächen und Stärken und komm mit Dir selbst ins Reine. Dann kannst Du viele Situationen objektiver betrachten und gelassener auf Erziehungskrisen reagieren. Denn Gelassenheit ist genau das Zauberwort, das bei der Erziehung Wunder bewirken kann.

 

Setze Dich mit Deiner eigenen Kindheit auseinander

Meistens übernehmen wir die Erziehung, die wir selbst von unseren Eltern mit auf den Weg bekommen haben. Doch gab es in dieser Erziehung eventuell ein Ungleichgewicht zwischen Autonomie und Bindung, das wir nun auf unsere Kinder übertragen? Auch ein selbsterlebtes Defizit können wir in unseren Erziehungsstil übernehmen und damit das Gleichgewicht in eine Richtung verschieben. Haben wir beispielsweise selbst zu wenig Nähe erfahren, können wir unser Kind zu sehr an uns binden wollen, was ihm wiederum die Freiheit nimmt.

 

Erkenne negative Glaubenssätze

Oft sind es negative Glaubenssätze, die sich so in unser Denken und Handeln eingebrannt haben, dass wir in manchen Situationen nicht stark und selbstbewusst genug sind. Denn Glaubenssätze beeinflussen unser Selbstwertgefühl, sowohl positiv als auch negativ. Obendrein geben wir sie oft unbewusst an unsere Kinder weiter. Oft entstehen sie bereits in der Kindheit, wenn die Eltern besonders kritisch oder abweisend waren. Dann prägt sich schon früh das Gefühl ein, nichts wert zu sein. Doch diese Glaubenssätze lassen sich entkräften und umpolen, sobald Du sie erkannt hast. Du musst sie nur ins Positive umformulieren und Dir immer wieder vor Augen halten. Aus „Ich bin nichts wert“ wird „Ich bin wertvoll“, aus „Ich bin nicht liebenswert“ wird „Ich bin liebenswert“ und so weiter.

 

Verbessere Deine Beziehung zu Deinem Kind

Damit die Erziehung nicht zur harten Arbeit wird, ist es wichtig, eine Beziehung zum Kind aufzubauen. Denn jedes Kind ist anders, hat eine eigene Persönlichkeit, die vor allem stark von Deiner eigenen abweichen kann. Vielleicht hast Du gewisse Ansprüche, denen Dein Kind niemals gerecht werden kann, weil es eben einzigartig ist und weil seine Kindheit sich nicht mit Deiner eigenen vergleichen lässt.


    
Reflektiere eure Beziehung

Versuche einmal, die Beziehung zu Deinem Kind aus einer objektiven Sicht zu betrachten. Beobachte einfach nur völlig wertfrei, wie ihr miteinander in schwierigen Situationen umgeht. Was war der Auslöser für einen Konflikt? Wie hast Du reagiert? Wie hast Du Dich dabei gefühlt? Was würdest Du ändern wollen? Die neutrale Selbstbeobachtung ermöglicht, dass Du manche Deiner Verhaltensweisen und Reaktionen erkennst, die Du Dir anders gewünscht hättest. Beim nächsten Mal kannst Du dann anders handeln.

 


Unterstützung bei der Umsetzung bekommst Du im Online-Kurs „Nestwärme, die Flügel verleiht“ von Stefanie Stahl und Julia Tomuschat. Ihre Erkenntnisse und Erfahrungen teilen sie mit Eltern, die ihren Kindern den Weg in die Freiheit und damit in die eigenständige Entwicklung zu starken Persönlichkeiten bahnen wollen.

Durch diese Hilfestellung ist die Erziehung Deiner Kinder schon bald keine nervenaufreibende Pflicht mehr, denn viele Erziehungsprobleme werden sich schon bald von selbst erledigen – wenn Du entspannter und gelassener mit Deinen Kindern umgehen kannst.