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Kalender Aktualisiert: 28. Sep 2022

Was ist eine soziale Phobie?

Unter soziale Phobie versteht man die Angst vor sozialen Situationen oder Leistungssituationen. Betroffene fürchten sich vor sozialen Kontakten, ganz speziell vor den Kontakten mit fremden Menschen. Eine weitere Angst betrifft das Erbringen von Leistung vor den Augen anderer. Die soziale Phobie gehört zur Gruppe der Angststörungen und kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Allein in Europa leiden etwa zehn Millionen Menschen darunter. Die soziale Phobie ist sogar die häufigste Angststörung in Deutschland. Typische Angstsituationen sind

  • Vorträge
  • Referate
  • Vorstellungsgespräche
  • Geschäftstermine
  • Partys
  • Essen und Trinken in der Öffentlichkeit
  • Benutzen einer öffentlichen Toilette

Als Grund für die Angst vor solchen Situationen wird meist die Befürchtung angegeben, man könnte sich blamieren, als inkompetent erscheinen oder unangenehm auffallen. Betroffene scheuen den Kontakt aus Angst, etwas Peinliches könnte passieren. Oft tritt die soziale Phobie in der Pubertät auf, wenn die Jugendlichen durch die vielen Veränderungen im Körper ohnehin unsicher sind und nicht negativ auffallen wollen. Häufig leiden die Betroffenen unter weiteren Angststörungen.

Eine soziale Phobie ist übrigens nicht mit Lampenfieber oder Schüchternheit gleichzusetzen. Eine gewisse Nervosität vor einer Präsentation oder einem Auftritt ist völlig normal. Auch eine Unsicherheit oder Zurückhaltung Fremden gegenüber ist noch keine Phobie. Eine Angststörung liegt erst dann vor, wenn solche Situationen komplett gemieden werden, regelrecht Panik auslösen und zu Einschränkungen in der Lebensweise führen.

Wie äußert sich eine soziale Phobie?

Eine soziale Phobie äußert sich durch folgende körperliche und psychische Symptome:

  • Erröten
  • Vermeiden von Blickkontakt
  • Zittern
  • Schweißausbrüche
  • Herzrasen
  • Atemnot
  • Schwindel
  • Konzentrationsprobleme bis hin zum Blackout
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Harndrang
  • Panikattacken

Betroffene fühlen sich von anderen ständig beobachtet und bewertet. Panik breitet sich aus, wenn sie auf fremde Menschen treffen oder vor anderen Leistung erbringen müssen. Dazu müssen nicht einmal große Menschenmassen anwesend sein, auch der Vortrag vor einer kleinen Runde bereitet bereits Unbehagen. Allein der Gedanke daran kann für Menschen mit sozialer Phobie lähmend sein, weswegen solche Situationen möglichst vermieden werden.

Schon bei Kindern äußert sich die Angststörung, wenn sie sich in der Schule nicht melden oder keine Referate halten wollen. Jugendliche mit sozialer Phobie gehen nicht gerne auf Partys. In der Gruppe verhalten sie sich eher ruhig und zurückhaltend. Verabredungen gehen selten von ihnen aus.

Erwachsene können durch eine soziale Phobie im Beruf Probleme bekommen, wenn Vorträge, Präsentationen und das Netzwerken mit Geschäftspartnern erforderlich sind. Sie scheuen sich vor den Herausforderungen und ziehen sich immer mehr zurück. Menschen mit sozialer Phobie suchen sich gezielt Berufe, in denen keine Angstsituationen drohen, obwohl sie vielleicht viel lieber eine andere Tätigkeit ausüben würden.

Das Tückische an der sozialen Phobie ist, dass sich die Betroffenen in einem Teufelskreis befinden. Die Angst davor, in der Öffentlichkeit negativ aufzufallen und von anderen bewertet zu werden, führt dazu, dass sie sich tatsächlich seltsam verhalten und dadurch auffallen. So bleibt irgendwann nur noch der Rückzug und das Vermeiden sozialer Kontakte. In extremen Fällen führt eine soziale Phobie sogar zur totalen Isolation, zu Depressionen, Suchtverhalten oder anderen Krankheiten.

Warum bekommt man eine soziale Phobie?

Warum manche Menschen eine soziale Phobie bekommen und andere nicht, liegt an verschiedenen Faktoren. Zum einen kann eine genetische Vorbelastung die Ursache sein, dass eine psychische Erkrankung auftritt. Auch die Erziehung spielt eine Rolle: Fühlt sich ein Elternteil in Gesellschaft fremder Menschen unwohl, kann dieses Verhalten von den Kindern erlernt und übernommen werden. Ein überbehüteter, kontrollierender Erziehungsstil kann außerdem dazu führen, dass Kinder kein autonomes Handeln erlernen und Angst vor Situationen entwickeln, in denen die Aufmerksamkeit auf sie gerichtet ist.

Zum anderen können schlechte Erfahrungen beim Vortrag vor anderen Menschen oder ein peinliches Erlebnis die Angst vor ebensolchen Situationen schüren. Kommen dann noch starke Selbstzweifel, ein hoher Anspruch an die eigene Leistung oder die Angst vor Kritik hinzu, verstärkt sich die soziale Phobie. Wer in jungen Jahren gehänselt oder ausgelacht wurde, trägt diese negativen Erfahrungen in sich und versucht, ähnliche Situationen zu umgehen.

Was kann man gegen eine soziale Phobie tun?

Gegen eine soziale Phobie kann eine Psychotherapie helfen. Bei einer kognitiven Verhaltenstherapie werden Menschen mit einer Angststörung behutsam an die Situationen herangeführt, bis sie sie angstfrei bewältigen können. Auch eine Gruppentherapie kann erfolgreich sein, da das Feedback Gleichgesinnter leichter anerkannt wird als von Außenstehenden. In manchen Fällen ist eine medikamentöse Behandlung hilfreich, um die Angstzustände in den Griff zu bekommen.

Allerdings müssen sich die Betroffenen erst dazu durchringen, therapeutische Hilfe zu suchen. Denn genau darin besteht eine der größten Ängste, eine fremde Person aktiv aufzusuchen. Freunde und Bekannte können beim ersten Schritt unterstützen.

Kann man eine soziale Phobie auch selbst behandeln?

Eine ausgeprägte soziale Phobie sollte immer therapeutisch behandelt werden. Wer an sich nur leichte Anzeichen einer sozialen Ängstlichkeit erkennt, kann jedoch durch ein paar Übungen angsteinflößende Situationen mit mehr Selbstvertrauen meistern. Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder die progressive Muskel-Entspannung nach Jacobson helfen, die Anspannung gezielt zu lösen. Atemübungen, das bewusste Anspannen und Entspannen der Muskulatur, das Beruhigen der Gedanken und der Fokus auf das Wesentliche nehmen die Nervosität. Durch regelmäßiges Üben können die Techniken jederzeit abgerufen werden, wenn ein Vortrag oder Vorstellungsgespräch ansteht.