Abschiede fallen den meisten von uns schwer: Sei es das Ende einer Lebensphase, die Trennung vom Partner oder der Verlust eines geliebten Menschen. Oft tragen wir den Schmerz und die Trauer noch sehr lange mit uns, weil wir nur schwer einen Weg finden, wirklich abzuschließen. 

Früher gab es für all diese Einschnitte Rituale – kleine Zeremonien, die immer in einer bestimmten Ordnung ablaufen. Was für viele nach Räucherstäbchen und seltsamen Tänzen klingt, ist richtig durchgeführt ein wahres Powerhouse und kann dabei helfen, einen Abschluss zu finden.

Lore Galitz ist gelernte Ritualmeisterin. Sie begleitet viele Menschen dabei, Rituale für sich zu finden und durchzuführen. Dabei bezieht sie die Kraft der Elemente ebenso ein wie uralte Symbole, die in unserer heutigen Kultur in Vergessenheit geraten sind. Hier sind sechs Punkte, mit denen uns Rituale dabei helfen können, loszulassen und nach einem Abschied dauerhaft zurück zu unserem Happy Place zu finden:
 

Profilbild für Lore Galitz

Lore Galitz

Ritualmeisterin, Dozentin & Künstlerin

Lore Galitz ist Ritualmeisterin, Dozentin und Künstlerin. Als Coach und Autorin hilft sie Menschen, Aufgaben und Einschnitte im Leben – wie Loslassen, neu Beginnen oder Verluste überwinden – mit Hilfe von Ritualen leichter zu gestalten. 

Wie Rituale helfen können

1.    Zum Abschied die Hand geben
Lore Galitz sagt: Um etwas wirklich loslassen zu können, müssen wir ein letztes Mal Verbindung aufnehmen. Stark vereinfacht: Um einen Gegenstand, den wir nicht mehr in der Wohnung haben wollen, wegzuschmeißen, müssen wir ihn auch noch mindestens einmal in die Hand nehmen. Bei manchen Abschieden geht das nicht, beispielsweise, wenn wir einen geliebten Menschen verloren haben. Dann helfen Rituale dabei, diese Erfahrung bewusst zu spüren, durch die Kraft der Zeremonie und durch Symbole, die für das Verlorene stehen. 

2.    Gutes bei uns behalten 
Nicht alles, was beispielsweise in einer gescheiterten Beziehung war, ist schlecht. Gerade deshalb halten wir oft noch daran fest, da wir befürchten, wenn wir loslassen, könnten wir auch das Gute verlieren. Rituale können uns helfen zu spüren, welcher Teil eines Lebensabschnitts oder einer Beziehung eine Last war und welcher Teil bei uns bleiben soll. Am Ende eines Rituals können wir beispielsweise die gute Energie, die freigesetzt wurde, einfach einsammeln – und die schlechte wegschicken.

3.    Die Angst verlieren
Ein Grund, warum wir uns oft so lange an eine Lebensphase, eine Sache oder eine Person klammern ist auch: wir laufen innerlich weg, verdrängen den Verlust. Schreck und Angst vor dem endgültigen Schmerz hindern uns daran, einer Situation wirklich ins Auge zu schauen. Rituale bieten einen geschützten Rahmen, wir können uns hier in der vorgegebenen Ordnung sicher fühlen – und dem Abschied und allem was damit verbunden ist ins Gesicht schauen.
 

Schau dir jetzt unser kostenloses Webinar zum Thema "Die Kraft der Rituale" an!

180911_Galitz_VierSchrittezurFreiheit

4.    Fesseln sprengen
Gerade nach einer Trennung sind wir oft durch unsichtbare Fesseln mit einer anderen Person oder Situation verbunden. Auch hier hilft die körperliche Erfahrung. Im Ritual können wir im wahrsten Sinne des Wortes die Fesseln sprengen, mit einer kraftvollen Geste verbindende Bänder zertrennen. Das Gefühl der plötzlichen Freiheit kann ein Schlüsselmoment sein, der Knoten platzt im wahrsten Sinne des Wortes – und wir haben uns von einer Verbindung, die wir nicht mehr haben wollen, befreit. 

5.    Behutsam Abschied nehmen
In manchem Trennungen und vor allem auch beim Verlust einer geliebten Person sind es weniger Fesseln, als Schmerz, der uns im Griff hat. Statt Dankbarkeit und Liebe empfinden wir oft eine betäubende Trauer und fühlen uns verloren. Hier hilft es, wenn wir uns aktiv ablösen, uns behutsam verabschieden – wie wenn wir jemanden zum Bahnhof bringen und seinem Zug noch eine Weile hinterherschauen, bevor wir den Bahnsteig verlassen. Der Abschied wird hier mehr zu einem erlaubten Gehenlassen. Ein Ritual ist hier beispielsweise, Blumen in einen treibenden Fluss zu entlassen – und sie als Symbol für das, wovon man Abschied nehmen will, zu sehen. Wichtig ist hier vor allem in Situationen der großen Trauer die Begleitung durch einen Ritualmeister, der mit uns gemeinsam das Ritual vollzieht und auch zur Nachbereitung bei uns ist.  

6.    Grundlegende Fragen finden und beantworten
Beim Thema Abschied unterscheidet Lore Galitz ganz explizit den Begriff „Loslassen“ – also von etwas Abschied nehmen, das nicht oder nicht mehr zu uns gehört – und „Loswerden“, also etwas, das eigentlich noch zu uns gehört, aktiv abzustoßen. Bei Zweiterem sollten wir uns genau hinterfragen, warum wir es loswerden wollen – erst dann können wir auch loslassen. Rituale helfen uns dabei zu sehen, was wirklich nicht mehr zu uns gehört – was wir loslassen zu können – und welche Fragen wir für uns noch beantworten müssen.