Hand aufs Herz - isst Du wirklich nur dann, wenn Du Hunger hast? Oder übernimmt das Essen oft die Funktion, Dich zu beruhigen, Dir ein schönes Gefühl zu geben, Dich zu trösten? Wenn Du Dir klar machst, wonach Du in solchen Momenten wirklich hungerst und wie Du diesen seelischen Hunger stillen kannst, wirst du nicht mehr so einfach in diese „Ersatzhandlung“ verfallen. Wie das geht, das erfährst Du hier.

 

Hunger ist nicht gleich Hunger

Seelischer Hunger und körperlicher Hunger sind zwei völlig unterschiedliche Dinge – doch beide führen dazu, dass Du Nahrung zu Dir nimmst, im ersten Fall meist mehr als dein Körper eigentlich braucht. Denn bei seelischem, emotionalem Hunger wird das Essen als Ersatz für Zuwendung, Liebe oder Anerkennung zum „Seelentröster“. Beim physischen Hunger, also dem echten Hungergefühl, sagt Dir Dein Körper hingegen, dass er Nährstoffe braucht, um zu funktionieren, um den Stoffwechsel in Gang zu halten und um Leistung bringen zu können.

In der heutigen schnelllebigen Zeit haben wir jedoch verlernt, auf dieses echte Hungergefühl zu hören und vor allem zu erkennen, welche Nahrungsmittel und Nährstoffe unser Körper braucht. Durch fettige, salzige oder süße Speisen betäuben wir unser intuitives Hungergefühl und verlieren ganz das Gefühl dafür, was unsere Körper eigentlich benötigt, um gesund und aktiv zu sein.

Seelischer Hunger

In der Arbeit ist gerade Stress? Zum Glück liegt noch ein Schokoriegel in der Schublade. Keine Zeit für eine Mittagspause? Dann schnell zum nächsten Fast-Food-Laden. Du bist traurig, weil Dich Deine Partnerschaft oder Dein Leben tagaus tagein nicht wirklich erfüllen und immer etwas fehlt? Auch dann spenden Süßigkeiten vermeintlichen Trost. Die innere Leere, die sich in Dir ausbreitet, füllst Du einfach immer wieder mit Essen, obwohl Dein Körper eigentlich schon mit Nährstoffen gesättigt ist.

Dass sich dadurch die Fettpölsterchen wunderbar vermehren und Du Dich oft schlapp und ausgelaugt fühlst, ist kein Wunder. Doch es gibt ein paar einfache Übungen, wie Du zurück zu Dir selbst, zu Deinen wahren Bedürfnissen findest:

 

1. Mache Dir bewusst, wann und warum Du isst

Der erste Schritt zurück zu Deinen wahren Bedürfnissen ist, Dich selbst genau unter die Lupe zu nehmen. Hinterfrage Dich immer wieder:

•    In welchen Situationen esse ich?
•    Wie oft esse ich etwas, auch wenn es nur ein kleines Stück Schokolade oder sonst ein kleiner Snack ist?
•    Warum esse ich? Habe ich wirklich Hunger oder einfach nur Appetit?
•    In welcher emotionalen Lage bin ich, wenn ich esse? Esse ich aus Langeweile, aus Frust, aus Trauer, aus Einsamkeit, aus Gewohnheit?
•    Was fehlt in meinem Leben, das ich durch Essen ersetzen will?

Die Erkenntnis über Dein Essverhalten ist die Basis, um etwas daran zu ändern. Denn wenn Du Dir erst einmal bewusst machst, wie oft Du eigentlich ohne Hungergefühl etwas zu Dir nimmst, kannst Du Dich vor jedem Bissen fragen: Braucht mein Körper das, weil er Hunger hat? Oder möchte ich damit meinen seelischen Hunger stillen?
Du wirst merken: Oft trifft Letzteres zu. Dann ist es Deine Aufgabe, Dich mit Deinen Emotionen auseinanderzusetzen, die Dich zum Snack greifen lassen. Denn der Zuckerschub kann Dich zwar tatsächlich für den Moment glücklich und zufrieden machen, Deine emotionale Leere füllt er jedoch nicht.

 

2. Starte eine emotionale Reise in die Vergangenheit

Um Deine Motivation zum Essen zu ergründen, kannst Du auch eine emotionale Reise in die Vergangenheit starten. Überlege Dir, was Deine Lieblingsspeisen sind und in welchen Situationen Du sie gerne isst. Denn oft verbinden wir gewisse Nahrungsmittel mit Erlebnissen aus der Kindheit:

•    Gab es früher Süßigkeiten als Belohnung? Dann suchen wir diese Anerkennung auch heute noch in einem Schokoriegel.
•    Gab es bei der geliebten Oma immer Süßspeisen? Dann geben uns auch heute noch süße Gerichte Geborgenheit und Liebe, die wir damals von der Großmutter bekamen.

Eine weitere Frage, die Du Dir stellen solltest: Wann hast Du damit begonnen, Essen als emotionale Ersatzbefriedigung zu verwenden? Oft gibt es tatsächlich ein Erlebnis, das uns emotional aus dem Gleichgewicht gebracht und den seelischen Hunger ausgelöst hat.

 

3. Nimm Dir Zeit für Dich selbst – ohne Ablenkung

Manchmal ist Essen auch einfach eine Ablenkung von Dir selbst. Dann kann es schon helfen, wenn Du Dir die Zeit nimmst und Dich mit Dir selbst befasst. Vielleicht bei einem Spaziergang in der Natur, bei einer Meditation, beim Sport oder einem heißen Bad. Dabei kannst Du Deine Gedanken abschalten und Dir eine Pause vom Alltag gönnen. Was zählt, bist Du und wie Du Dich fühlst. Du wirst bald feststellen: Wenn Du den Fokus auf Deine eigenen Bedürfnisse legst und Dir regelmäßig eine Auszeit nimmst, denkst Du weniger über Essen nach. Um für Stresssituationen gewappnet zu sein, überlegst Du Dir kleine Wellness-Rituale, die Du statt der Tafel Schokolade jederzeit anwenden kannst, z.B. kurze Atemübungen, ein ätherisches Öl oder eine Runde um den Block an der frischen Luft.

 

4. Hole Dir Hilfe, denn Du bist nicht alleine

Nun hast Du erkannt, dass Du mit Deinem Essverhalten nur allzu oft Deinen seelischen statt den körperlichen Hunger stillst. Doch die Suche nach dem Auslöser fällt Dir schwer und Du weißt nicht, wie Du anfangen sollst? Gründe für emotionales Essen können tief verwurzelt sein und mit vergangenen Ereignissen oder Verlusten zusammenhängen, an die wir gar nicht bewusst denken würden. Häufige Ursachen sind unter anderem

•    die Sehnsucht nach Liebe, z.B. einer Partnerschaft
•    der Wunsch nach körperlicher Nähe, z.B. einer Umarmung
•    krankhaftes Suchtverhalten
•    tiefliegende Traumata

Manchmal reicht diese Erkenntnis bereits, um zum Umdenken anzuregen. Vielleicht hast Du aber das Gefühl, Deine Emotionen nicht alleine analysieren zu können? Dann such Dir Hilfe in einer Gruppe von Gleichgesinnten oder bei einem Therapeuten. Denn eins ist sicher: Du bist nicht alleine mit Deinem seelischen Hunger!

 

5. Erkenne den Unterschied zwischen körperlichem und seelischem Hunger

Wenn Du Dich nun intensiv mit Deinem Essverhalten beschäftigst, solltest Du nicht vergessen: Echter Hunger ist ganz natürlich und ein wichtiges Signal des Körpers, dass er Nährstoffe und Energie braucht. Um nun den emotionalen Hunger vom physischen zu unterscheiden, gibt es ein paar Hinweise:

•    Emotionaler Hunger kommt oft plötzlich und will sofort gestillt werden. Und zwar nicht mit Gemüse-Sticks, sondern mit einer fettigen Pizza, einem Stück Kuchen, einer Tafel Schokolade oder einer Tüte Chips. Obwohl Du dem Körper dadurch jede Menge Kalorien zuführst, wird sich der Hunger schon nach kurzer Zeit wieder melden und mehr verlangen.
•    Physischer Hunger kündigt sich allmählich an und kann bis zur nächsten Mahlzeit ausgehalten werden. Um ihn zu stillen, brauchst Du Nährstoffe, am besten aus vitaminreicher und vitalstoffreicher Nahrung. Je mehr verschiedene Nährstoffe der Körper bekommt, umso länger ist er satt und zufrieden.


Liebgewonnene Gewohnheiten verändern sich natürlich nicht von heute auf morgen. Doch Schritt für Schritt kommst Du Dir selbst wieder näher und kannst Deine Bedürfnisse spüren. Du wirst sehen: Wenn Du wieder mehr auf Deinen Körper hörst, wird sich schon bald auch eine seelische Zufriedenheit einstellen, die Dich stark und gelassen macht.